URUGUAY. Ein kurzer Abstecher in ein sehr relaxtes Südamerika

Gerade als die ersten Sonnenstrahlen über den Horizont kriechen, besteigen wir die Fähre in Buenos Aires. In nur eineinhalb Stunden quert man den spiegelglatten, bräunlich schimmernden Rio de la Plata und erreicht Colonia de Sacramento, die älteste Stadt  Uruguays. Neben uns, die auch noch Montevideo einen Besuch abstatten wollen, strömen zahlreiche Tagesausflügler von Bord. Im Gegensatz zur rastlosen Hauptstadt Argentiniens wirkt der bekannte kleine Küstenort völlig verträumt und verschlafen. Womöglich auch ein Grund: Schon nach wenigen Minuten auf dem Festland umweht ein süßlicher Geruch unsere Nasen – in Uruguay ist der Konsum von Cannabis legal.

Der historische Kern der bereits 1680 gegründeten Stadt, der sich hinter einer Stadtmauer versteckt und auf einem Landvorsprung befindet, zählt zum UNESCO-Weltkulturerbe. Einen Überblick über die pittoreske Altstadt verschafft man sich am besten vom alles überragenden Leuchtturm – vorausgesetzt man leidet nicht unter Klaustrophobie und kann sich ohne Probleme durch den schmalen Treppenaufgang und die kleinen Öffnungen auf die Aussichtsplattformen zwängen. Alternativ genießt man einfach einen Kaffee an einen der schönen Plätze oder an der langgezogenen Promenade. Der Ort ist fast schon kitschig-schön: Auch hier bröckelt der Putz von den Wänden, das Kopfsteinpflaster ist uneben, Efeu überwuchert die alten Gemäuer, Straßenhunde dösen in der Sonne. Doch wirkt alles genau richtig, ein bisschen wie für den Betrachter liebevoll arrangiert.

Nach sieben Stunden in diesem ein wenig unwirklich anmutenden Städtchen, die mehr als ausreichend sind, um jede Straße und jeden Platz der Altstadt zu erkunden, steigen wir in den Bus ins 170 Kilometer entfernte Montevideo. Die Fahrt führt durch flaches Land, vornehmlich vorbei an endlosen Weideflächen, so dass man ein wenig die Augen schließen kann…

Montevideo. Die kleine Schwester von Buenos Aires

Auch wenn die Hauptstadt nichts mit dem ruhigen Colonia de Sacramento gemein hat und sehr lebendig wirkt, als wir uns mit dem Stadtbus auf dem Weg zu unserem Hostal machen, präsentiert sich Uruguay ebenso in seiner mit 1,3 Millionen Menschen einzigen Großstadt unverändert entspannt und freundlich – und das auch ein gutes Stück freundlicher als Chile und Argentinien. Schon im Bus werden wir höflich – soweit es die spärlichen Spanischkenntnisse zulassen – in einen kleinen Smalltalk verwickelt, herzlich willkommen geheißen und mit landestypischen Süßigkeiten, knallrosa süßen Kaubonbons, beschenkt.

Die sich am Mündungstrichter des Río de la Plata befindende Stadt wird häufig als kleine Schwester von Buenos Aires bezeichnet. Sobald man durch das Zentrum spaziert, den großen Plaza de la Independencia oder den schönen Plaza de la Constitución mit der Kathedrale passiert, weiß warum: Architektonisch ähnelt die Altstadt mit zahlreichen Bauten aus dem späten 18. und frühen 19. Jahrhundert Argentiniens Hauptstadt. Darunter auch der mächtige Palacio Salvo (1923-1928), das erste Hochhaus Uruguays und seiner Zeit höchste Gebäude Lateinamerikas. Die Anmutung des wuchtigen Baus mit seinen barocken Formen würde heute wie einst heftig diskutiert werden, wird uns erzählt – nicht anders ergehe es dem ebenfalls vom italienischen Architekten Mario Palanti erbauten Palacio Barolo in der Avenida de Mayo in Buenos Aires.

So nett die Menschen auch sind, so entspannt man durch Uruguays Hauptstadt als eine der sichersten Städte Lateinamerikas auch bummelt, gelingt es Montevideo unter grauem Himmel nicht, uns ähnlich zu begeistern wie die große Schwester. Womöglich haben wir ihr aber mit zwei Abenden und einem vollen Tag einfach zu wenig Zeit geschenkt. Da wir auch den schönen Stränden des Landes aufgrund der Jahreszeit keinen Besuch abgestattet haben, mal wieder ein Punkt für die „Wir kommen ja wieder“-Liste.