Nach vier Tagen in Puerto Varas brachen wir zu unserem zweiten Ziel in der Seenregion auf: das 320 Kilometer entfernte Pucón am Lago Villarrica, das man von Puerto Montt direkt in fünf Stunden erreicht. Wer allerdings in dem unbeirrbaren Glauben reist, dass Busse genau dann fahren, wenn man am Bahnhof eintrifft, und natürlich immer zwei Plätze freihaben, wird auf frühzeitigen Ticketkauf verzichten und auch mal einen Umweg über Valdivia in Kauf nehmen müssen.
So kamen wir an einem grauen nassen Sonntag erst am späten Abend in unserem Hostel in Pucón an. Auch der nächste Tag begrüßte uns mit unverändert mäßigen Witterungsbedingungen, was zu dieser Jahreszeit oft auch wochenlang keine Seltenheit ist. Doch war uns Petrus wieder einmal gewogen. Schon für den nächsten Tag war Besserung in Sicht, ab Mitte der Woche wurde strahlender Sonnenschein versprochen. Zum Glück! Es gab ja jede Menge zu tun.
1. Termas Geométricas. Dampfendes Wellness-Vergnügen
Aktive Vulkane sorgen nicht nur für eine tolle Fotokulisse oder ambitionierte Wanderziele bei den Betrachtern, sondern ebenso für jede Menge Wärme unter der Erdoberfläche, die sich auch ganz friedlich in Form heißer Quellen entladen kann. Die bekannteste, angeblich schönste und mit 17 Becken auch größte Anlage in der Region sind die Termas Geométricas. Diese im Villarrica Nationalpark gelegenen Quellen sind selbst in der Nebensaison nicht ganz günstig (24.000 Pesos bzw. knapp 32 Euro/Kopf), aber unserer Meinung nach ihren Preis in jedem Fall wert.
Überall steigt Dampf auf. Mystisch wabern Schwaden über das Wasser. Je Temperatur, die zwischen 9 und 45 Grad variiert, vernebeln die verschiedenen, in Naturstein gefassten Pools, die versetzt entlang einer schmalen Schlucht angeordnet sind, die Luft teils völlig. Rechts und links recken sich die mit Moosen und Farnen überwucherten Felswände steil gen Himmel. Unter der knallroten Holzkonstruktion, die die Becken verbindet und an einem Wasserfall endet, fließt ein rauschender Wildbach. Ein wirklich wunderschönes Ambiente, in dem die Zeit wie im Flug vergeht. Wir haben die drei Stunden voll ausgekostet und das überraschend wenig nach Schwefel riechende Wasser auch nur verlassen, um in einen anderen Pool zu gleiten. Unsere runzligen Hände und Füße bezeugten noch Stunden später das faule Wellness-Vergnügen…
2. Tanz auf dem Villarrica Vulkan
Am nächsten Tag folgte das Kontrastprogramm und damit zurück zum Stichwort ‚Vulkane, die ambitionierte Wanderziele wecken‘. Schon beim ersten Durchblättern des Aktivitäten-Booklets für die Region blieben wir an den faszinierenden Bildern einer Besteigung des Villarrica Vulkans hängen. Das Kleingedruckte – 1400 Höhenmeter, rund vier Stunden Aufstieg, gegenwärtig durchwegs auf Schnee und Eis, zweistellige Minusgrade – liest man ja gerne mal nicht so genau. So fanden wir uns abends zum Vorgespräch mit dem Guide ein, der versicherte, (fast) jeden hinauf und alle wieder hinunter gebracht zu haben. Trotz außerplanmäßiger Wetterkonditionen hielt er, was er versprochen hatte. Ein wirklich großartiges Erlebnis. Hier geht’s zum ausführlichen Bericht unserer Besteigung des Villarrica Vulkans.
Ach ja, definitiv empfiehlt es sich, erst den Vulkan zu besteigen und am nächsten Tag in den Thermen zu entspannen. Derartiges Programm quittiert der Körper dann doch mit einer merklichen Schwere…
3. Hidro Speed. Wildwasserspaß im Rio Liucura

Während die eine so dann am nächsten Tag lediglich unter strahlend blauem Himmel gemütlich durch das Städtchen spazierte, versuchte sich der andere wiederum an einer für uns neuen Sportart: dem Hidro Speed. Die regenreiche Region um Pucón bietet optimale Voraussetzungen für diese Aktivität, die sich am besten als Rafting ohne Boot beschreiben lässt und bei Wasser- und Geschwindigkeitsfreudigen für jede Menge Spaß sorgt. Steffens Erfahrungsbericht gibt es hier.
4. Huerquehue Nationalpark. Exotische Bäume, romantische Seen und Vulkane am Horizont

Zu guter Letzt stand noch ein Ausflugsklassiker auf unserem Programm: eine Wanderung im Huerquehue Nationalpark und damit wieder einmal in einem ganz besonderen Stück Natur. Der 125 Quadratkilometer große Park begeistert mit ursprünglichen Urwäldern, einzigartigen Araukarien-Beständen, romantischen Bergseen, schönen Wasserfällen und traumhaften Ausblicken auf schneebedeckte Vulkane.
In einer knapp einstündigen Busfahrt erreicht man die Registrierungsstelle, wo ein kleiner Eintritt zu entrichten ist (2500 Pesos bzw. 3,20 Euro/Kopf). Wir wählten die kurze Variante der Sendero Los Lagos-Route, für die es rund 600 Höhenmetern zu überwinden gilt. Der Weg startet in entspanntem Auf und Ab entlang des Lago Tinquilco, über dem im Winter zarte Dunstschwaden strömen. Die durch den lichter werdenden Wald einfallenden Sonnenstrahlen verbreiten dabei eine wunderschöne Stimmung und bringen die mit Raureif überzogenen Gräser am Wegrand zum Funkeln. Hat man den See und einen zu dieser Jahreszeit verwaisten Campingplatz passiert, gewinnt man schnell an Höhe. Diese verhältnismäßig anstrengende Etappe der ansonsten sehr gemütlich verlaufenden Strecke bietet zwei Aussichtsplätze, von denen sich die Kulisse aus See, grün-braun gefleckten Wäldern und dem stolzen Villarrica Vulkan am Horizont perfekt festhalten lässt.
Kurz bevor man den höchsten Punkt erreicht, verändert sich das Antlitz des Waldes. Ab rund 1200 Höhenmetern kann man die ersten, teils tausendjährigen Araukarien-Bäume, die zur Gattung der Koniferen gehören, entdecken, die ihre sternförmigen Kronen weit in den blauen Himmel strecken. Der Pfad führt weiter zum Lago Chico, idyllisch spiegelt sich die umgebene Natur in dem glasklaren, in allerlei Grüntönen schimmernden See. Beim Ausblick über den Lago El Toro garniert der Lanín Vulkan das Panorama, den Lago Verde umrahmen nahezu ausschließlich die pittoresken Araukarien-Bäume. Einfach atemberaubend schön!
So schnell vergeht eine Woche. Und da waren sie wieder, die Wolken. Zeit, den Rucksack zu packen und unser nächstes Ziel Valparaíso anzusteuern. Von diesem trennten uns gerade einmal elf Stunden Busfahrt. Chile ist einfach ein sehr, sehr langes Land.
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Empfehlenswertes Hostel: Direkt an der Uferpromenade befindet sich das gemütliche Chili Kiwi Hostel, das mehrere Dorms und Doubles sowie zwei sehr kuschelige Baumhauszimmer mit Blick auf den See bietet. Alle Programm-Highlights werden vom Hostel angeboten oder organisiert, zudem gibt es schöne Gemeinschaftsräume und eine nette kleine Bar.