NZ Südinsel_ Etappe 1. Die Ostküste gen Süden. Von Christchurch bis Dunedin

(Ca. 500 Kilometer / 4 Tage)

Nach zwei Tagen in Christchurch stiegen wir in unseren Camper mit dem Ziel Banks Peninsula. Auf die Halbinsel, die James Cook bei seiner ersten Umsegelung als eigenständiges Eiland deutete – einer der wenigen Fehler des großen Entdeckers -, was erst vier Jahre später korrigiert wurde, als ein Seefahrerkollege die Passage durchfahren wollte, führt eine gut ausgebaute zweispurige Straße, vorbei am Lake Ellesmere und hinauf nach Hilltop, wo sich das erste Mal der Blick auf die schöne Bucht und den Hafen von Akaroa ergibt. Für Kurven- und Serpentinenfreudige empfiehlt sich, von hier die Summit Road nach Akaroa zu nehmen, die sich auf fast 750 Meter hinaufschraubt und unbeschreibliche Ausblicke bietet.

Akaroa ist ein herausgeputztes 1000-Einwohner-Städtchen mit Strand, schöner Uferpromenade, vor der weiße Bötchen im Wasser dümpeln, netten Lokalen, Leuchtturm und einigen historische Bauten aus frühester Siedlerzeit. Dass hier vornehmlich der Franzose siedelte, ist unübersehbar: Vielfach weht die Tricolore stolz im Wind. Bekannt ist der Ort auch für seine Hector Delphine, die kleinsten ihrer Art, die angeblich jeder zu Gesicht bekommt. Nun, fast jeder.

Nach einem entspannten Frühstücksstopp mit ausgiebigem Spaziergang sind wir erst einmal ein wenig im Kreis gefahren, indem wir Gabbies Pass – wiederum eine empfehlenswerte kurvenreiche Passstraße mit tollen Ausblicken – nach Lyttelton genommen haben. Filmfans könnte die Stadt von Peter Jacksons Gruselklassiker „The Frighteners“ bekannt sein, Schifffahrversierten womöglich als einer der besten Naturhäfen der Welt. Dieser entstand vor rund zehn Millionen Jahren als riesiger Vulkankrater, der später zur Meerseite aufbrach.

Nach einer Nacht auf einem schönen Free Camping Site in der Nähe von Springston sausten wir am nächsten Tag auf dem SH1 nun wirklich gen Süden. Das Umland von Christchurch ist flach und vor allem landwirtschaftlich genutzt. Zudem sind die riesigen Hecken markant, die überall Felder und Grundstücke begrenzen. Diese sind weniger dem Wunsch nach Privatsphäre geschuldet, sondern vielmehr einem lästigen Wetterphänomen, dem Nor’wester, eine Mischung aus Föhn und Mistral. Dieser entsteht, wenn große Luftmassen vom Äquator zum Südpol drängen, sich an den Westhängen der Southern Alps abregnen, darauf die Berggipfel überqueren und erwärmt und trocken über die flachen Canterbury Plains in Richtung Ostküste fegen und definitiv Sturmstärke erreichen können. So war die zentrale Frage nachts in Taranui auch: Kann ein Camper kippen?

Auf dem Weg dorthin lohnen Stopps in Timaru, wo wir mit einem Traumausblick aufs türkisfarbene Meer gefrühstückt hatten und zu meiner Freude das Thermometer zum ersten und bis dato letzten Mal in Neuseeland die 30-Grad-Marke passierte, und vor allem auch in Oamaru. Der Ort ist bekannt für seine Blue Penguins-Kolonie, die man beim abendlichen Einmarsch von Tribunen aus beobachten kann. Auch wenn man dieses Spektakel wie wir auslässt, hat die Stadt noch mehr zu bieten: Das Zentrum fungierte in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts quasi als Ausstellungsfläche für die heimische Steinindustrie. Der dort geschlagene Oamaru Whitestone, ein Kalkstein, der sich frisch fast wie Holz bearbeiten lässt, wurde dort diversen Architekturrichtungen folgend in Dutzenden Gebäuden mustergültig verarbeitet. Nach der Stadtbesichtigung laden zwei großartige Lookout-Spots zum Halt ein, einmal oberhalb der Stadt (ausgeschildert), einmal in der ersten Bucht südlich von Oamaru, an der man mit ein bisschen Glück auch Pinguine sehen kann (uns wollten sie sich nicht zeigen).

Aus Oamaru heraus führt – neben der Hauptverbindung SH1 – die schöne Beach Road. Der Name ist Programm, man fährt fast immer in Tuchfühlung mit dem Pazifik, zumindest solange, bis einen der Waianakarua River mangels Brücke zurück ins Hinterland zwingt. Nur wenige Kilometer südlich warten die Moeraki Boulders auf Besucher, die sie für neuseeländische Verhältnisse auch sehr zahlreich bekommen. Zu sehen gibt es hier rund 50 Steinbälle, teils mit Durchmessern von zwei Metern, die lose verteilt an einem Strand herumliegen. Die Herkunft der bis zu vier Millionen Jahren alten Kugeln ist speziell: Sie wurden von den Wellen aus der Uferböschung herausgewaschen. Es handelt sich hier aber nicht um vom Meer rund geschliffene Felsbrocken, sondern vielmehr um Produkte eines Prozesses, den man im Kleinen von Perlen kennt. Witterung und Brandung machen sich an ihnen zu schaffen, so dass der Verfall einsetzt, einige der Kugeln sind aufgebrochen und man kann einen Blick ins Innere werfen. Einen schönen breiten Strand gibt es on top, den man südlich und nördlich der Boulders auch ganz für sich allein hat.

Circa 75 Kilometer südlich liegt Dunedin, das mit zahlreichen historischen Bauten und aufgrund der Studentendichte mit einem ausgeprägten Kultur- und Nachtleben aufwartet. Die schottischen Wurzeln der 120.000 Einwohner-Stadt findet man schon im Namen – Dunedin ist der gälische Begriff für die schottische Hauptstadt Edinburgh -, ebenso wurden viele Straßen dem heimischen Vorbild nach benannt. Wenn wir auch der lokalen Brauerei vor Ort keinen Besuch abgestattet hatten, kennen wir mittlerweile eines ihrer Produkte: Speight’s Summit, das Lagerbier aus der eigentlich für das Ale bekannten Angebotspalette. Leicht und lecker.

Eines der Highlights liegt vor den Toren der Stadt: die von tiefen Buchten zergliederte Otago Peninsula, von der man zum einen einen großartigen Blick auf die Otago-Bucht genießen kann, zum anderen kommt man ganz nah an die Tierwelt heran. Am Pilots Beach am Taiaroa Head sonnen sich Robben am Strand, versteckt in Erdlöchern zeigen sich Blue Penguins in freier Wildbahn. Garniert wird dieser Stopp am äußerten Ende der Bucht mit einem atemberaubenden Ausblick auf den Pazifik über eine zerklüftete Steilküste hinweg, der fotogene Leuchtturm inklusive. Am Taiaroa Head ist auch eine Albatrosskolonie zuhause. In mehrerlei Hinsicht ist das eine Seltenheit, da die riesigen Tiere wohl nie so nah an Großstädten, wohl kaum auf dem Festland nisten. Vor unseren Augen wollte sich aber keiner der Vögel, deren Flügelspannweite bis zu 3,5 Meter umfassen kann, in die Lüfte erheben.

Empfehlenswerte Camping Sites auf dieser Etappe

  • French Farm: Freedom Camping Site auf der Banks Peninsula am gegenüberliegenden Ufer von Akaroa
  • Coes Ford Camping Ground Lake Ellesmere: großer Freedom Camping Site südlich von Christchurch bei Springston direkt an einem klaren, eisblauen Fluss gelegen, was etwa auch die Temperatur beschreibt
  • Campbells Bay: Freedom Camping Site in Taranui, stark frequentiert, aber wunderschön oberhalb einer Bucht mit ordentlicher Brandung platziert
  • Aramoana Domain, Otago-Bucht: am Ende der nördlichen Uferstraße kleiner Parkplatz mit zwei Traumstränden vor der Campertür. Sehr zu empfehlen!