NZ Südinsel_ Etappe 3. Fiordland

(Ca. 270 Kilometer / 4 Tage)

Nach rund 100 Kilometer auf dem Scenic Southern Route, die hier die Küste verlässt, erreichten wir Manapouri am gleichnamigen See, der angeblich schönste See Neuseelands. Ob dieses Prädikat passt, können wir mangels Überblick nicht beurteilen, sicher ist: Der verzweigte See besticht durch glasklares Wasser, ist geschmückt mit vielen kleinen Inseln und umrahmt von Urwald überwucherten Hügeln. Kurzum: wunderschön. Manapouri selbst ist der ideale Ausgangspunkt, um dem zweitgrößten der 14 Fjorde im Fiordland, zu erkunden.

Der Doubtful Sound – Vom Eis geformtes, vom Wasser gestaltetes Naturjuwel

Neuseeland nennt drei Naturareale sein Eigen, die zum UNESCO-Welterbe zählen: Neben einer subarktischen Inselgruppe und dem Tongariro National Park, der auf unserem Plan für die Nordinsel steht, hat es das Fiordland auf diese Liste geschafft. Der Doubtful Sound, der lediglich mit einer geführten Tour via Boot-Bus-Boot erreicht werden kann, ist hier eines der abgelegensten, wildesten Juwele, die überhaupt zugänglich sind. Namensgeber war James Cook, der 1770 lediglich an den Eingang des Fjords heran fuhr, aus Zweifel, ob seine Endeavour heil die Bucht passieren könne, auf eine Einfahrt verzichtete und so auf seiner Karte den „Doubtful Harbour“ verzeichnete.

Das Gebirge, das einst an der Bruchspalte zwischen der pazifischen und indo-australischen Erdplatte entstand, wird fortwährend vor allem von Wasser gestaltet. Das Fiordland zählt zu den nassesten Orten der Welt. Hier regnet es an rund 200 Tagen im Jahr, die Regenbilanz wird mit sechs bis neun Metern beziffert. Mit dem Resultat, dass überall Wasserfälle in die Tiefe stürzen und alles satt grün ist. Die den Sound begrenzenden Hügel sind überzogen von Bäumen, Moosen und Farnen und wirken so, als hätte noch nie ein Mensch einen Fuß darauf gesetzt.

Die mächtige Regenbilanz wird kontrastiert mit rund 2000 Sonnenstunden, was mit einem regen Wechsel am Himmel verbunden ist. Wie schnell sich das Wetter ändern kann, durften wir glücklicherweise bei unserer Tour erfahren. Überquerten wir noch bei Regen und Wind, der Himmel Grau in Grau den Manapouri See, lockerte die Wolkendecke bei unserer Fahrt über den Wilmot Pass langsam auf, um beim Betreten des Bootes im Doubtful Sound aufzureißen.


Schon die 22-Kilometer lange Strecke über den Wilmot Pass ist ein Erlebnis: Der Weg schraubt sich auf 671 Meter nach oben, bahnt sich seinen Weg durch dichten Urwald, vorbei an unzähligen Wasserfällen und bietet kurz vor Ankunft einen perfekten Ausblick auf den Doubtful Sound. Die Wilmot Road zählt mit circa 80 Dollars pro Quadratmeter zu den teuersten Straßen Neuseelands, die in den 60er Jahren nicht etwa aus touristischem Zweck entstand, sondern um schweres Gerät zur Manapouri Power Station zu transportieren, einem Wasserkraftwerk, das gebaut wurde, um den immensen Energiebedarf einer Aluminiumschmelzanlage zu bedienen. Heute wird die Straße, die einzig nicht mit dem restlichen Straßennetz Neuseelands verbunden ist, nahezu ausschließlich dafür genutzt, Interessierte in den Doubtful Sound zu bringen.

Um an dieser Stelle wieder einmal die Maori zu Wort kommen zu lassen: Ihrer Legende zufolge erschuf der Gott Tu-Te-Raki-Whanoa das Fiordland, um Schutz vor der rauhen See zu schaffen, indem er eine magische Axt schwang und sich das Meer in die entstandenen Vertiefungen ergoss. Ob Götter- oder Gletscherkräfte am Werk waren: Der Fjord ist überirdisch schön. So verbringt man die circa dreistündige Bootsfahrt, die einen insbesondere beim Rückweg eine sehr steife Brise ins Gesicht bläst, vorwiegend schweigend und staunend.


Der Maori-Name für den Doubtful Sound ist Patea und damit wunderbar passend: „der Ort der Stille“. Einmal, als unser Boot die Motoren abschaltete, war absolut nichts zu hören. Das ist nicht zuletzt auch eines der besten Argumente, einen etwas preisintensiveren Ausflug in den Doubtful Sound zu unternehmen: Im Gegensatz zum stark frequentierten Milford Sound, zu dem eine Straße führt, schippern hier gerade einmal zwei Boote, wobei wir das zweite lediglich an der Anlegestelle gesehen haben.

Für’s Wer-wird-Millionär-Wissen: Es handelt sich bei den „Sounds“ im Fiordland nicht um Sunde, sondern ausschließlich um Fjorde und dazu noch um mustergültige: Dicke Eismassen kerbten U-förmige Täler in das Grundgestein, in das nach Rückzug des Eises das ansteigende Meer drang. Charakteristisch ist auch, dass ihre Mündung zum Meer eine Moränenschwelle aufweist und das Wasser damit im Fjordinneren entschieden tiefer ist als am Ausgang.

Spannendes für Taucher: Durch den vielen Regen und das zusätzliche Herabströmen der Wassermassen an den Berghängen besteht die oberste, mehrere Meter dicke Schicht aus Süßwasser, die sich nicht mit der schwereren Salzwasserschicht darunter vermischen kann. Durch das kaum lichtdurchlässige Süßwasser, das durch ausgewaschene Pflanzenstoffe dunkel und lichtabsorbierend ist, spielt sich das Leben im Fjord weitgehend in den oberen 35-40 Metern des Salzwassers ab. So befinden sich so nah wie sonst nirgends zahlreiche Tiefseefische und -pflanzen nur zehn Meter unter der Oberfläche.

Die Milford Road – Die vermutlich schönste Sackgasse der Welt

Am Tag darauf fuhren wir ins Nahe gelegene Te Anau, der Startpunkt der längsten Sackgasse Neuseelands und wohl schönsten der Welt: die 120 Kilometer lange Milford Road. Diese verbindet Neuseelands Wandermetropole Te Anau – einige der bekanntesten, mehrtägigen Great Walks starten hier – und den Milford Sound und ist mit dem Prädikat World Heritage Highway ausgezeichnet. Das mit jedem Grund: Denn die Straße wartet keineswegs nur mit seinem berühmten Endpunkt auf, zahlreiche lohnenswerte Stopps finden sich entlang der zweispurigen Straße, die durch eine zunehmend imposantere Bergkulisse verläuft. Wir haben zum einen den 10-minütigen Spaziergang zu den Mirrow Lakes unternommen, die allerdings auf einer vom Wind aufgewühlten Seeoberfläche das, wofür sie bekannt sind, nicht so recht zeigen konnten. Am zweiten Stopp, dem riesigen DOC Camping Site Cascade Creek, bezogen wir Station für die Nacht. Hier bietet ein dreiviertelstündiger Lehrpfad zum Lake Gunn Einblicke in die Flora und Fauna des Eglington Valley: Um an den von einer wunderschönen Wald-Berg-Kulisse umrahmten See zu gelangen, durchwandert man einen von Farnen und Moosen gestalteten Zauberwald. Einfach schön.


Wanderung zum Gertrude Saddle – Über Stock und Stein zum Traumausblick

Wanderfreudige, die gern auch ein wenig kraxeln, sollten noch einen Tag mehr für diese Etappe einplanen und die Wanderung zum Gertrude Saddle unternehmen, die mit vier bis sechs Stunden veranschlagt ist. Genießt man nach rund 620 Höhenmetern den wohlverdienten Ausblick auf den Milford Sound wie wir sehr ausgiebig und springt womöglich noch in den Bergsee – hierzu war bei nur knapp zweistelligen Wassertemperaturen lediglich Steffen in der Lage -, wird daraus schnell eine tagesfüllende Unternehmung. Los geht es auf einem Parkplatz rechter Hand kurz vor dem Homer Tunnel zunächst gemütlich durch das Gertrude Valley. Kurz vor Talschluss führt der Weg dann links in den steilen Berghang hinein, wo nun rund 500 Höhenmeter überwunden werden müssen und man sich den Weg selbst über den zunehmend steiniger werdenden Hang sucht. Kurz vor dem Ziel wartet der erste Wow-Effekt, der glasklare Black Lake, bevor es noch einmal steil bergauf geht. Hier helfen Stahlseile, um auf den glatten Felsplatten nicht die falsche Richtung zu wählen und unfreiwillig baden zu gehen. Erreicht man den Bergsattel, sackt die Kinnlade ein weiteres Mal herunter: Der Aufstieg wird mit einem atemberaubenden Blick auf den Milford Sound belohnt.

Der Milford Sound – Stark frequentierte Schönheit

Den wollten wir uns dann natürlich auch noch aus der Nähe ansehen. Um zum Fjord zu gelangen, passiert man den Homer Tunnel, ein tropfender, etwas archaisch wirkender Tunnel, der nur rudimentär beleuchtet und mehr ein- als zweispurig ist, weswegen der Verkehr untertags auch von einer Ampelschaltung geregelt wird. Danach geht es in engen Serpentinen rasant zum Fjord hinunter, schon nach wenigen Biegungen ist der Blick frei auf den dominanten 1692 Metern hohen Mitre Peak, der stolz das Panorama dominiert. Schönes Abendlicht setzte den mittlerweile nahezu menschenleeren Fjord für uns noch einmal in perfektes Fotolicht. Eine Ahnung, was für Massen hier tagsüber unterwegs sein müssen, bekamen wir allerdings am nächsten Tag, als wir den Rückweg nach Te Anau angetreten haben: Allein auf den letzten 60 Kilometern kamen uns in nur einer Stunde mehr als 20 Busse entgegen… So schön der Milford Sound sicherlich ist, wurden wir damit noch einmal in unserer Wahl der Bootstour in den Doubtful Sound bestätigt. Denn in kleiner Runde genießt sich so etwas doch noch ein wenig mehr.


Empfehlenswerte Camping Sites auf dieser Etappe

  • Possum Lodge, Manapouri: sehr netter Campingplatz, der Bootsanlegesteg für die Tour zum Doubtful Sound in fußläufiger Entfernung
  • Cascade Creek, Milford Highway (79 Kilometer von Te Anau): riesiger DOC Camping Site, auch Startpunkt für tollen, knapp einstündigen Lake Gunn Nature Walk
  • Knobs Flat, Milford Highway (62 Kilometer von Te Anau): Campingplatz mit schöner Bergkulisse, Informationstafeln und „the last flush toilets before Milford Sound“