(Ca. 260 Kilometer / 2 Tage)
Der Empfehlung einer Neuseeländerin folgend, die ich beim Versuch, einen für meine Verhältnisse frühmorgendlichen Spaziergang zum Strand zu unternehmen, in die Arme gelaufen bin (und es damit exakt zehn Meter vor die Campertür geschafft habe), nahmen wir nicht die Inlandsroute nach Invercargill, sondern steuerten unseren Camper in Richtung Catlins, dem dünnbesiedelten, landschaftlich nicht zuletzt wohl auch deswegen sehr reizvollen Küstenstreifen. Dorthin und noch weiter bringt einen die Southern Scenic Route, die sich von Dunedin durch den tiefen Süden mit den Catlins und Invercargill via Te Anau bis nach Queenstown erstreckt und 612 Kilometer bestes Natur-Sightseeing bietet. Die zweispurige Straße windet sich in munterem Auf und Ab vorbei an schier endlosen Weiden mit unzähligen Schafen, vorbei an weiten Buchten, an die eindrucksvoll die Brandung braust, oder auch durch dichten Wald. Je näher man dem Fiordland kommt, desto weiter wächst die Hügellandschaft an.
Doch davor gilt es, noch mindestens (!) sechs Stopps einzulegen. Zum ersten Mal an der Roaring Bay auf dem Weg zum Nugget Point. Hier kann man am späten Nachmittag Yellow Eyed Pinguins bei ihrem Landgang beobachten. In der Erwartung, Scharen der scheuen Tiere – der Fachmann bezeichnet die Gruppen als Flöße – zu sehen, harrten wir im Beobachtungsstand oberhalb des Strands geduldig aus. Gerade als wir auch diese Tierexpedition erfolglos abbrechen wollten, ließ sich der Erste an den Strand spülen. Ja, das war dann auch der einzige, aber immerhin. Ein paar Serpentinen weiter befindet sich ein küstenseitiges Highlight: der Nugget Point, ein steiler Landvorsprung, auf dem 133 Meter über dem Meer ein Leuchtturm thront. Der circa viertelstündige Spaziergang dorthin wird vom Ausblick auf schroff aus dem Meer herausragende Felsen belohnt, auf denen sich zahlreich Robben, Seelöwen und -elefanten räkeln.
Der nächste „Pflichtstopp“ sind die Purakanui Falls. Hierhin spaziert man circa 20 Minuten durch dichten Wald, der von Moosen, hohen Baumfarnen, Flechten und sogenannten Epiphyten, die ohne Wurzelkontakt zum Boden auf Bäumen leben, geprägt ist. Man wandert durch eine Kulisse, die verwunschen und urzeitlich wirkt, bis man die wirklich Postkarten-würdigen Wasserfälle erreicht. Die Purakanui Falls ergießen sich in verzweigten Kaskaden wunderschön in ein von Steinen begrenztes Becken, umrahmt von sattem Grün.
Als nächster Halt lohnt der Florence Hill Lookout – der Ausblick dürfte für sich sprechen. Der Southern Scenic Route folgend stößt man circa 12 Kilometer weiter auf eine Abzweigung zu den Cathedral Caves. Das Höhlensystem am Waipati Beach trägt seinen Namen nicht zu Unrecht. Den imposanten Höhleneingang, den man nach einem circa 20-minütigen Fußmarsch von einem bezahlten Parkplatz durch den Wald und das letzte Stück über den Strand erreicht, ähnelt einem Kirchenportal. Für die Besichtigung der knapp 200 Meter langen Höhle, die zwei Eingänge besitzt, hat man allerdings nur ein kurzes Zeitfenster – circa eine Stunde vor und nach Niedrigwasser -, in das wir wieder Mal mit viel Dusel unwissend gerutscht sind. Die Cathedral Caves zählen zu den 30 längsten Meereshöhlen der Welt, die langsam vom Meer in den Sandstein gefressen werden. Die Erosionskraft, mit der das Meer den Felsen abträgt, erreicht naturgegeben ihre Grenzen, hier vor Ort bei etwa 150 Meter.
Nach einem kurzem Einkaufsstopp in Invercargill, einer Stadt, die laut Reiseführer mehr Aufmerksamkeit verdient hätte, steuerten wir den wunderschönen Monkey Island Beach, der sich ein kleines Stückchen westlich von Riverton befindet, als nächtlichen Stellplatz an. Hier findet man neben einem weiteren kostenlosen Freedom Camping Site eine wirklich wunderschöne, langgezogene Bucht, die kaum einer der vielen Camper betritt.
Empfehlenswerte Camping Sites auf dieser Etappe
- Jack’s Bay: Freedom Camping Site an Bucht mit rauher Brandung, der von uns lediglich als Frühstücksspot genutzt wurde
- Monkey Island Beach, Orepuki: Freedom Camping Site an Traumbucht