NZ Südinsel_ Etappe 6: Der Norden. Abel Tasman National Park & Marlborough Sounds

(Ca. 350 Kilometer / 6 Tage)

Darauf galt es, von der Westküste Abschied zu nehmen. Wir folgten dem mächtigen Lauf des Buller River ins Hinterland, der sich tief zwischen grünen Hügeln fließend seinen Weg bahnt. Auf der Strecke befinden sich lediglich kleine Örtchen, die nicht selten nur aus einer Hand voll Häusern bestehen, und als kleine Touristenattraktion die 110 Meter lange Buller River Swingbridge. Kurz darauf zweigt man schon nach Norden in Richtung Mutueka ab, das touristische Zentrum am Fuße des Abel Tasman National Park.

Da der Freedom Camping Site am Hafen bei unserer abendlichen Ankunft schon derart gut bestückt war, schraubten wir uns noch in der Dunkelheit einige Dutzende Serpentinen auf dem Takaka Hill Highway hinauf bis zum Parkplatz des Hawkes Lookout, wo man ebenfalls kostenlos in einem Self-contained Vehicle Quartier für eine Nacht beziehen darf. Nach einem morgendlichen Spaziergang zum fünf Minuten entfernten Aussichtspunkt, der einen schönen Blick über die Küste und den Kahurangi National Park bietet, kurvten wir wieder hinab nach Mutueka, um darauf das ein klein wenig nördlich gelegener Maharau anzusteuern – nach der rund 380-Kilometer langen Mammutstrecke vom Vortag sollte es dann auch für diesen Tag mit Autofahren gewesen sein.

Maharau ist ein idyllisch gelegenes kleines Urlaubsörtchen an der Tasman Bay: Nahezu alle Häuser reihen sich entlang der langgezogenen Uferpromenade, langsam ziehen Kanufahrer ihre Kreise auf der funkelnden, wellenlosen Wasserplatte, die Sonne brennt vom Himmel (das in diesem Breitengrad wohl wirklich häufig). Wieder mal ein Ort zum Verweilen, was wir dann auch für den restlichen Tag getan haben. Maharau ist auch der perfekte Ausgangsort für einen Wanderausflug in den Abel Tasman National Park: Hier startet der bekannte, mehrtägige Abel Tasman Coast Track, dessen erste Etappe auf unserem Programm stand. Wie uns die clevere Frau im Touristenzentrum in Mutueka geraten hat, startet man hier aber nicht zu Fuß, um sich dann mit dem Wassertaxi zurückbringen zu lassen, sondern man lässt sich in den Nationalpark hinein chauffieren, um entspannt und ohne Zeitdruck zurückzulaufen.

Der Abel Tasman National Park – Spaziergang mit Pausenstopp am Strand

Ein guter Plan, ein perfekter Tag: Um 10 Uhr morgens bestiegen wir das Boot. Allerdings nicht im Hafen, sondern auf einem Parkplatz. Aufgrund eines weiten Sandwatts vor dem Ufer werden die Boote auf Land bestückt, um dann samt Insassen auf einem Trailer ins tiefe Wasser geschoben zu werden. Unser Ziel, die Anchorage Bay, wurde aber nicht auf direktem Weg angesteuert, sondern die Taxifahrt vielmehr zu einer kleinen Sightseeing-Tour ausgedehnt. So steuert der Skipper zunächst das eine Bucht südlich gelegene Wahrzeichen der Region an, den Split Apple Rock, ein großer, runder Felsen im Meer, der aussieht, als hätte ihn der Axtschlag eines Riesen gespalten. Nach rund 40 Minuten erreicht man die halbmondförmige Anchorage Bay, von der es auf direktem Weg 12,4 Kilometer zurück nach Maharau sind. Nutzt man die Gelegenheit, auch zu der ein oder anderen Bucht hinabzusteigen, werden daraus schnell 18 Kilometer und mehr. Der Weg selbst verläuft überaus gemütlich in sanftem Auf und Ab oberhalb der Küste, so dass man immer wieder Traumausblicke auf türkis schimmerndes Meer genießen kann, hübsch kontrastiert durch goldgelbe Buchten.

Die Tasman Bay hält so dann rund 30 Kilometer südlich an der Ruby Bay einen schön gelegenen, langgezogenen DOC Camping Site für die Nacht bereit. Ist der Himmel wolkenfrei, kann man hier nächtlich einen gigantischen Sternenhimmel genießen und sich bei der ein oder anderen Sternschnuppe allerlei Schönes wünschen. Exakt am gegenüberliegenden Ufer der Bucht liegt Nelson, das sich als zweiter Ort Neuseelands seit 1858 Stadt nennen durfte. Von dort steuerten wir unseren Camper auf dem SH6 in die Marlborough Sounds, ein wirklich bemerkenswert schönes Eck von Neuseeland. Dass sich das schon ein wenig herumgesprochen hat, bezeugt nicht zuletzt auch der Fakt, dass sich in fast jeder Bucht – insbesondere im Queen Charlotte Sound – eine Unterkunft oder privates Refugium befindet. Hier will man einfach wohnen.

Die Marlborough Sounds – Perfekter Mix aus Wasser, Buchten und grünen Hügeln

Was in der Maori-Mythologie das Schnitzwerk eines versunkenen Kanus der Götter ist, ist für Geologen ein überflutetes Faltengebirge. In seiner Schönheit wirkt es in jedem Fall von sehr gekonnter Hand modelliert: Die Straßen schlängeln sich erhoben über den Meeresarmen entlang, fast jede Biegung gibt erneut einen wunderschönen Blick auf den stimmigen Mix aus Wasser und dicht bewachsenen Hügeln bis zum Horizont frei. So haben wir zwei Nächte hier verbracht, eine im nördlich gelegenen Kenepuru Sound, eine in der Aussie Bay im Queen Charlotte Sound, wo sich mit Picton auch der Ausgangshafen der Fähre zur Nordinsel befindet. Tags fährt man einfach den Sound hinauf und wieder hinunter, genießt die Ausblicke und vertreibt sich die Zeit mit Angeln, Sonnen und Lesen, unter anderem an der schönen, knallblauen Bucht von Portage. Die Fische dort hängen offenbar aber auch an diesem schönem Diesseits, so dass hier wieder einmal kein Fisch anbeißen wollte. Nicht so aber am Vorabend in der Ohingaroa Bay: Hier verhakte sich ein kleiner, für uns nicht näher spezifizierbarer Fisch am Blinker. Das erste Mal nach rund einem Dutzend Stunden Angeln kam so dann Fangfrisches auf den Tisch. Lecker.

Picton – Mit dem Postmann auf Tour

Picton erreicht man über den Queen Charlotte Drive, der kulissentechnisch wieder Mal einiges in die Waagschale wirft. An unserem letzten Ziel auf der Südinsel waren wir dann so frei, die neuseeländische Post einen Tag zu unterstützen. Hier werden mit dem Mailboat Briefe und Pakete, aber auch Lebensmittel oder Schulmaterialien für die Kinder, zu den entlegenen Ecken des Queen Charlotte Sound transportiert. Da unsere Hilfe nicht so wirklich von Nöten war, konnten wir die vierstündige Tour, die eine beliebte Touristenattraktion ist und auch einen Stopp an der Ship Cove einschließt, wo einst schon James Cook auf allen seiner drei Neuseelandreisen sich und seiner Crew ein paar Tage Erholung gönnte, einfach nur genießen. Den Tag rundeten wir mit einem großartigen Essen im Le Café am London Quay ab. Hier kann man sich neben frischem Fisch Green Lip Mussels schmecken lassen, für die das nahgelegene Havelock bekannt ist.

Und schon wieder ein Abschied: Am nächsten Tag befuhren wir zur Mittagszeit eine Fähre von Bluebridge, einer der beiden Fährgesellschaften, die jeweils mehrfach täglich den Hafen von Neuseelands Hauptstadt (und umgekehrt) ansteuern. Die insgesamt 96 Kilometer lange Fahrt hält wohl oft ordentlich Seegang bereit, nicht selten auch Delfine und Wale. Unsere Überfahrt verlief dagegen wellen- wie tierfrei. Alternativ kann man sich auch selbst in die Fluten werfen und sich damit in die Liste von über 50 Männern und Frauen einreihen, die schwimmend seit Anfang der 60er Jahre diese Strecke zurückgelegt haben. Alter ist dabei übrigens kein Argument: Der jüngste Schwimmer war 11, der älteste 60. Unter anderem mit Blick auf Camper, Gepäck und die frischen Wassertemperaturen zogen wir den gängigen Weg vor und genossen teils vom Deck die rund dreistündige Fahrt durch die Cook Strait, die den Namen des Entdeckers trägt, der am 23. Januar 1770 hier hindurchsegelte – knapp 130 Jahre zuvor glaubte Abel Tasman bei seiner Expedition noch eine Bucht zu erkennen und verzichtete auf eine Erkundung. Zunächst passiert man etwa die Hälfte des Queen Charlotte Sound, um dann den Tory Channel hinaus aufs offene Meer zu nehmen. Eine schöne Kulisse zum Auf-Wiedersehen-Sagen.

Empfehlenswerte Camping Sites auf dieser Etappe

  • Abel Tasman Maharau Beach Camp: Netter Campingplatz inmitten des Dorfes, perfekter Ausgangsort für Wanderung im Nationalpark
  • Ruby’s Bay: Wunderschön gelegener DOC Camping Site mit Blick auf Nelson, kalte kostenlose Duschen
  • Ohingaroa, Kenepuru Sound: Freedom Camping Site auf Parkplatz
  • Aussie Bay, Queen Charlotte Sound: Schöner DOC Camping Site direkt am Meeresarm
  • Picton Campervan Park: Zweckmäßiger „Stadt“-Campingplatz mit guten Sanitäranlagen, knapper Kilometer zum Hafen