Toll, toller, Neuseeland. Es ist keineswegs so, dass uns Neuseeland besser gefällt als etwa Vietnam oder Kambodscha – ist eh wie Birnen und Äpfel zu vergleichen. Reisen in diesem Land ist nur einfach unglaublich großartig und irgendwie durchwegs positiv: Die Natur wunderschön, das Programm abwechslungsreich, das Reisen unkompliziert, einfach alles ist entspannt, selbst das Wetter trotzt der Regenstatistik – so ein richtiges Aber will sich nicht finden. Nun, vielleicht doch: Es gibt einfach zu viel zu tun, zu viel zu sehen, zu viel zu erleben. Unsere ursprünglich geplanten etwas mehr als sechs Wochen schienen schnell als zu kurz. So haben wir von einem der schönsten Vorteile einer Langzeitreise Gebrauch gemacht: Wir disponierten um und verlängerten unseren Aufenthalt hier ein wenig.
Aber erst mal zurück zum Start. Saisonbedingt sind wir Anfang März auf der Südinsel und damit in Christchurch gestartet. Auch wenn die Stadt noch sehr von den Folgen der schweren Erdbeben von 2010 und 2011 gezeichnet ist und es noch Jahre brauchen wird, bis das Zentrum wieder ein Gesicht hat, lohnt ein Besuch sehr. So hatten wir uns einen Tag für eine Besichtigung Zeit genommen, bevor wir unser fahrbares Zuhause für die nächsten Wochen bezogen haben. Mit dem Camper tauschten wir fast tägliches Rucksackpacken gegen Klamotten im Schrank, eigenen Kühlschrank und eigenes Bett, das übrigens wirklich erstaunlich bequem ist und das trotz dreifacher Besucherritze. Damit konnte es losgehen. Auf zu einer langen Liste wunderschöner Ziele, die sich entlang dieser Route reihen.

Nach einem Abstecher auf die Banks Peninsula, der hübschen Halbinsel mit Seen und sanften grünen Hügeln direkt vor der Haustür von Christchurch, sind wir in kleinen Etappen an der Ostküste entlang bis nach Dunedin gefahren. Highlights waren hier Akaroa, eine Hochburg der Frankophilie, das hübsche Städtchen Oamaru, ein Besuch der Moeraki Boulders und die Otago Peninsula bei Dunedin. Die in Neuseeland mit 120.000 Einwohnern schon als Metropole durchgehende Stadt ist mit ihren schottischen Wurzeln und schönen Bauten ebenfalls eine ausgedehnte Visite wert.
Mehr erfahren: NZ_Südinsel: Etappe 1. Die Ostküste von Christchurch bis Dunedin
Bei einem sehr netten, rund zweistündigen Gespräch mit einer temperamentvollen Neuseeländerin schottischer Abstammung (wären nur die morgendlichen einstelligen Temperaturen nicht gewesen) wurden uns neben vielen weiteren Ecken die Catlins ans Herz gelegt. Unser Reiseführer ergänzte überzeugende Stichworte wie „einsame Sandstrände“, „Ziel für Naturliebhaber“ und „Geheimtipp“ (nun, wenn das in einem auflagenstarken Guide zu lesen ist…). So fuhren wir auf der Southern Scenic Route, die von Dunedin bis Christchurch 612 Kilometer voller schönster Natur und besten Ausblicken bietet, nach und durch den Süden, um dann in Richtung Norden abzubiegen und das Fiordland anzusteuern. Auch auf diesem Abschnitt fällt die Liste an Höhepunkten nicht kurz aus: Angefangen bei der Route selbst, die einen wirklich teils nur staunend durch die Landschaft fahren lässt, sind Stopps an der Roaring Bay sowie am gleich daneben liegenden Nugget Point tier- und naturseitig interessant. Kurze schöne Wanderungen durch tiefsten Urwald führen einmal zu den Purakanui Falls, den Wasserfällen, die als Wahrzeichen der Catlins häufig als Postkartenmotiv fungieren, sowie zu den Cathedral Caves, ein Höhlensystem, das das Meer in die Steilküste gefressen hat. Ein weiteres Highlight war für uns der Monkey Island Beach an der Südküste, wo wir für eine Nacht unser Lager aufgeschlagen haben.
Mehr erfahren: NZ Südinsel_Etappe 2. Der Süden. Entlang der Southern Scenic Route ins Fiordland
Weiter folgten wir der Southern Scenic Route nach Manapouri am gleichnamigen See. Nicht nur einmal haben wir gelesen, dass er der schönste See Neuseelands sein soll. Ob der Superlativ passt, wissen wir nicht. Was wir aber in jedem Fall sagen können: Er ist wunderschön. Ein stark verzweigter, glasklarer See, den mehrere kleine Inseln zieren, diese wie die umrahmenden Hügel sind von Urwald überzogen. So malerisch der Ausgangsort, so unfassbar schön unser erstes Ausflugsziel im Fiordland National Park: der Doubtful Sound, der lediglich mit der Kombination Boot-Bus-Boot erreichbare zweitgrößte Fjord der Region. Auch dem Milford Sound, das wohl bekannteste Ziel, haben wir nach einer tollen Wanderung zum Gertrude Saddle zumindest noch einen abendlichen Fotobesuch abgestattet. Zu diesem führt die längste Sackgasse Neuseelands, die 120 Kilometer lange Milford Road, die Te Anau mit dem Milford Sound verbindet und einige weitere schöne Stopps bietet, u.a. der Lake Gunn, an dem wir eine Nacht verbracht haben.
Mehr erfahren: NZ Südinsel_Etappe 3. Fiordland
Der Southern Scenic Route endet in Queenstown, der Metropole des Funsports, wo auch Steffen mit einer Jet-Boot-Tour auf dem Shotover River ortstypischem Programm frönte. Umgeben sind Jet Boot-Fahrer, Fallschirmspringer, Bungee-Jumper (hier wurde der Sport übrigens erfunden) oder auch Paraglyder wie alles hier von einer wunderschönen Berg-See-Kulisse. So fanden wir am nördlichen Arm des Lake Wakatipu auch den perfekten Freedom Camping Spot ganz für uns allein. Der nördlich gelegene Lake Wanaka, unser nächstes Ziel nach einem Abstecher in die alte Goldgräberstadt Arrowtown, schließt sich in naturseitiger Schönheit nahtlos an. Diese haben wir auch von oben bestaunt: Vom Roys Peak aus kann man einen der beeindruckendsten und auch sehr bekannten Ausblicke auf den See genießen.
Mehr erfahren: NZ Südinsel_Etappe 4. Southern Lakes. Lake Wakatipu & Lake Wanaka
Aufgrund des begrenzten Straßennetzes in den Southern Alps, die man entweder östlich oder westlich umfährt und nicht queren kann, mussten wir uns nun entscheiden. Nach etwas Hin und Her wurden die zentral gelegenen Seen Tekapo and Pukaki gestrichen. So lautete unser nächstes Ziel: West Coast. Nach einem Abstecher an den Lake Hawea ging es über den Haast Pass mit zahlreichen Stopps, u.a. an den Blue Pools, an die Küste. Diese zeigt sich rauh, wild und laut. Doch damit nicht genug: Hier warten die Gletscher Fox und Franz Josef auf Besucher bzw. aufgrund ihrer großen Bewegungsfreude eher auf Betrachter aus sicherer Entfernung. Wenn es das Wetter denn zulässt. Während wir an den Fox Glacier zum einen näher herankamen, zum anderen es auch nur nieselte, versperrten uns dunkle Regenwolken, die tief in den Bergen hingen, schlicht die Sicht auf den Franz Josef Glacier. Das haben wir am nächsten Tag einfach nachgeholt, wenn auch aus entschieden größerer Distanz: von Okarito aus, einem 30-Seelen-Dorf am Meer, das eine tolle Wanderung mit beeindruckender Aussicht auf die Southern Alps bereithält. Nach einem Stopp in der netten Küstenstadt Hokatika steuerten wir unseren Camper in Richtung Paparoa National Park, wo wir den Pancake Rocks einen Besuch abgestattet haben und am Pororari River durch schönen Urwald gewandert sind. Unser letzter Halt an der Westküste war das Cape Foulwind, wo neben Ausblicken über weite Buchten und zerklüftete Küstenabschnitte noch eine Robbenkolonie für Unterhaltung sorgt.
Mehr erfahren: NZ Südinsel_Etappe 5. Die West Coast
Darauf folgten wir dem Buller River entlang seines teils mächtigen Laufs ins Inland, um nach rund 100 Kilometer gen Norden in Richtung Mutueka bzw. Maharau abzubiegen, dem Ausgangsort für unsere Wanderung im Abel Tasman National Park. Die startet üblicherweise schon besonders: Man nimmt das Wassertaxi, um sich je nach Wanderwillen einige Kilometer die Küste hinauf und damit in den Nationalpark hinein bringen zu lassen. An dieser Stelle nur soviel: entspannter Fußmarsch (trotz rund 18 Kilometern am Ende) mit Traumaussichten (türkisfarbene Buchten, dichter Tropenwald) und Pausenstopps an goldgelben Stränden. Unser nächstes und letztes Ziel waren die Marlborough Sounds, die ihren Namen im Gegensatz zu den beiden oben erwähnten, die Fjorde sind, zu Recht tragen. Dieser Küstenabschnitt ist ein einziges Highlight, fast egal wo man steht, geht und fährt. Nach zwei Nächten in den Sounds steuerten wir Picton an, wo wir die neuseeländische Post auf einer Tour mit dem Mailboat zu den entlegenen Ecken des Queen Charlotte Sound begleiteten, um tags darauf die Fähre nach Wellington zu nehmen. Voller Begeisterung und Freude über das Erlebte, gepaart mit einem kleinen bisschen Wehmut. Aber wir kommen sicher wieder.
Mehr erfahren: NZ Südinsel_Etappe 6: Der Norden. Abel Tasman National Park & Marlborough Sounds