Jeder kennt vermutlich das Gefühl: Man reist in die Ferne, die Sonne scheint, das Thermometer klettert in den Wohlfühlbereich (wenn auch für uns nach Vietnam und Kambodscha in keine neuen Sphären), die Menschen sind nett, die Kulisse ein Traum. Man will bleiben. Nicht nur einmal haben wir eine Stadt besucht, die uns beim ein oder anderen Glas Wein übers Auswandern, sei es nur für ein, zwei Jahre, philosophieren ließ. Selten aber wurden wir in unserer Fantasie so konkret.
Sydney ist wirklich ein unverschämt gesegnetes Fleckchen Erde: sonnenverwöhnt, von Wasser umgeben, von gepflegten Parks und Baumalleen durchzogen, mit Sehenswürdigkeiten wie der Oper, der Harbour Bridge und einer beachtlichen Skyline geschmückt, dazwischen charmante, kleine Viertel wie Potts Point, Surry Hills, Paddington oder Newtown mit unzähligen netten Bars und Restaurants, kleinen hübschen Läden und Märkten, jedes für sich besonders. Mit Blick auf das während unseres Aufenthalts stattfindende Mardi Gras-Festival, das gefühlt eine ganze Stadt in Regenbogenfarben hüllt, scheint zudem jedermann angenehm liberal, tolerant und weltoffen zu sein (weiterlesen: SYDNEY_Mardi Gras Festival. Eine Stadt trägt bunt). Beste Laune, guten Service und ein freundliches Lächeln, egal ob im Restaurant, am Ticketschalter oder auf der Fähre, gibt es on top. Fährt man beispielsweise mit jeweils zwei Rücksäcken beladen Bahn, bieten einem auch schon mal Jugendliche einen Sitzplatz an (nein, wir schieben das jetzt nicht auf unser Alter).
Die Liste ist noch nicht zu Ende: Diese Stadt nennt einige schöne Strände, darunter Manly und Bondi Beach, ihr Eigen. Dort lassen sich vom breiten, langen Sandstrand aus gestählte Menschen beäugen, die offenbar ganz genau wissen, was man mit der Kombination aus Brett und Welle so alles anstellen kann. Fasziniert beobachten wir, dass das offenbar auch schon im zarten Alter von 12 oder 13 beherrscht werden kann. Ja, natürlich sind auch Anfänger zu sehen, die nicht unbedingt zu Höherem in diesem Sport berufen sind, was dem Unterhaltungsprogramm aber in keinster Form einen Abbruch tut. Im Gegenteil. Als wäre das noch nicht Entertainment genug, haben sie für uns in diesen Tagen die Australien Open of Surfing mit anschließendem Live-Konzert veranstaltet.
Seufz. Nur aus dem Grund, dass wir noch so viele weitere tolle Ziele auf unserer Reiseroute haben, rissen wir uns nach vier Tagen los und stiegen in den Flieger in Richtung Christchurch. Mit dem festen Plan, dieser wunderbaren Stadt und dem dazugehörigen Land einen weiteren Besuch abzustatten. Ein Ire, mit dem wir während der Mardi Gras-Parade ins Gespräch kamen, empfahl uns übrigens, Melbourne als neues Zuhause ins Auge zu fassen: „wie Sydney, nur noch besser“. Schwer vorzustellen, aber wir werden uns selber ein Bild machen.