AUSTRALIEN_ SYDNEY. Mardi Gras Festival. Eine Stadt trägt bunt

Tag 1 (mittags): Sydney scheint eine Stadt zu sein, in der sich Schwule sehr wohl fühlen. Wüsste nicht, schon mal so viele Homosexuelle auf einem Haufen gesehen zu haben.

Tag 2 (morgens): Cool, am Wochenende findet die Mardi Gras Parade statt. 

Tag 2 (abends): Womöglich besteht ein Zusammenhang.

„Happy Mardi Gras“ – Kaum ein Straßenzug, in dem keine Regenbogenfahne weht. In vielen Schaufenstern oder auf Restauranttafeln werden farbenfroh die Besucher des nunmehr zum 38. Mal stattfindenden Events willkommen geheißen. Laut dem wirklich guten kostenlosen Stadtführer, der am Flughafen und an Bahnhöfen erhältlich ist, handelt es sich hierbei um das lauteste und stolzeste Fest der Welt, das den Fakt huldigt, dass unsere Welt eben bunt und die Menschen unterschiedlich sind. Das dreiwöchige Schwulen- und Lesbenfestival wird am letzten Wochenende von einer Parade gekrönt: über 100 verschiedene Gruppen, mehr als Zehntausend Mitlaufende, beklatscht und bejubelt von mindestens doppelt so vielen. Und wir mittendrin.

Es ist ein großes Schaulaufen. Sexy, schrill, in jedem Fall farbenfroh, zumeist halbnackt. Schon untertags füllen sich die Straßen mit immer auffälligeren Gestalten: Da sitzt schon mal Marilyn Monroe beim Mittagessen nebenan, nur mit knappen Pants bekleidete Männer flanieren mit einem durch den Park, Drag Queens stolzieren mit beachtlichen High Heels die Straßen entlang. Wunderbar extravagant und bunt eben. Und dazu laut: Klatschen, Pfeifen, Rufen, Musik aus allen Ecken. Es wird getanzt und gefeiert, umarmt und geküsst.

Das heute fröhliche und ausgelassene Fest hat seinen Ursprung im Jahr 1978, als rund 1.000 Demonstranten durch Sydney marschierten, um an die New Yorker Stonewall-Unruhen zu erinnern. Diese Demonstration wurde von der Polizei niedergeschlagen, mehr als 50 Teilnehmer wurden verhaftet. Was als Protest gegen Diskriminierung von Lesben und Schwulen begann, ist heute eine einzige große Party. Und das wirklich Schöne dabei: Angefangen beim Militär, der Polizei und der Stadtregierung über private Unternehmen wie AirBnB oder Quantas, die auch Sponsoren des Festivals sind, Google und Twitter, bis hin zu politischen Parteien, Organisationen oder auch Universitäten scheint jeder Farbe bekennen zu wollen und sich lautstark für Toleranz und gegen Diskrimierung stark zu machen. Großartig!