Langsam weicht die Nacht, die Konturen werden schärfer, der Horizont färbt sich erst rot, dann orange, dann gelb. Wenige Minuten später erscheint ein gleißend heller Feuerball zwischen den Türmen des Angkor Wat-Tempels. Ein schönes Spektakel, das man mit Tausenden teilt, pausenlos untermalt von Kameraklicken. Nun, romantische Stunden zu zweit hatten wir uns auch trotz eines frühmorgendlichen Starts um 4.40 Uhr nicht erwartet.
Der zentrale Tempel in Siem Reap zählt neben Angkor Thom mit seinem Bayon-Tempel, den zahlreiche Steingesichter schmücken, und Ta Prohm mit seinen Würgefeigen, die mit ihren Wurzeln die Mauern fest im Griff haben, zu den Besuchermagneten der rund 200 Quadratkilometer umfassenden Tempellandschaft. Mit einer Bilanz von mehr als vier Millionen Touristen im Jahr ist schon rein rechnerisch mit Massen zu rechnen. Und ja, man versteht, was die alle hier wollen: teils mächtige Bauwerke, teils völlig restauriert, teils charmant verfallen und von der Natur zurückerobert. Insbesondere am späten Nachmittag taucht die Sonne die nicht mehr überlaufenen Kulturstätten in wunderschönes Licht.
Drei Tage haben wir uns für die Expeditionen der rund 1.000 Jahre alten Tempelanlagen Zeit genommen: Tickets gibt es für einen Tag, drei Tage, die innerhalb einer Woche eingelöst werden können, oder sieben Tage am Stück (3-Tages-Ticket 40 Dollar/Person). In zwei Tuktuk-Touren standen zum einen die Ausflugsklassiker, die kleine und große Tempelrunde (13 bzw. 15 Dollar, zzgl. 5 Dollar, wenn man den Sonnenaufgang bei der kleinen Runde mitnehmen will), auf unserem Programm (der Sportliche nimmt das Rad für die 17 bzw. 25 Kilometer umfassenden Strecken): Hier kann man neben den Hotspots unter anderem die Tempel mit exotisch klingenden Namen wie Preah Khan, Ta Som, East Mebon, Pre Rup, Banteay Kdei oder auch Ta Keo entdecken. Wenn es auch etwas schweißtreibend ist, lohnt sich jede mögliche Kletterpartie beispielsweise in Angkor Wat oder auch im Baphuon-Tempel innerhalb der Angkor Thom-Anlage sehr.
Zusammen mit einem irischen Pärchen und einem Deutschen führte uns darüber hinaus ein Tagesausflug zu den entlegeneren Zielen Banteay Srei, Kbal Spean und Beng Mealea: Während wir uns mit der Besetzung von Dutzenden Bussen voller Chinesen in ersteren, eine der kunstvollsten Tempelanlagen, die auch zum UNESCO-Welterbe zählt, stauten, konnten wir die in ein Steinflussbett gemeißelten buddhistischen Reliefe am zweiten Ziel fast allein entdecken: Der 1,5 Kilometer lange Hinweg durch schönen Wald, der auch mit einigen Höhenmetern verbunden ist, könnte ein Grund dafür gewesen sein. Am dritten Stopp in Beng Mealea haben wir uns noch ein wenig wie Indiana Jones fühlen dürfen, der tief im Urwald einen verlassenen Tempel entdeckt (die anderen Touristen, aufgrund der Distanz von 70 Kilometer zu Siem Reap nicht mehr ganz so mannstark vertreten, und die durch die Anlage gebaute Treppenkonstruktion mal außer Acht lassend): Hier erwarten den Besucher eingestürzte Türme, eingebrochene Wände und von dickem Wurzelwerk riesiger Baumgiganten überwucherte Steinberge – für uns ein echtes Highlight.