KAMBODSCHA_ PHNOM PENH. Heute

Ganz oben auf der Liste der Aktivitäten steht eine Audienz beim König, sprich ein Besuch des zentral gelegenen, aus dem 19. Jahrhundert stammenden Königspalasts. Doch gilt es hier (wie vermutlich überall), sich an Öffnungszeiten zu halten (7.30-11 und 14-17 Uhr). Da wir mit einem Mittagstermin vor unserer Abreise nach Siem Reap geplant hatten, blieb uns unter anderem eine Besichtigung der berühmten Silberpagode oder des Phochani Pavillon verwehrt. Für jene, die in der Lage sind, zur richtigen Zeit vor Ort zu sein: Männer müssen lange Hosen tragen, Frauen Schulter und Knie bedeckende Kleidung, ein Tuch zum Verhüllen reicht nicht.

So hatten wir allerdings Zeit, den Tempel aufzusuchen, dem die Stadt ihren Namen verdankt. Der Wat Phnom Tempel präsentiert sich von außen eher unspektakulär, ist von innen aber umso schöner. Auch die dazugehörige Geschichte gefällt: Der Legende zufolge fand die Witwe Daun Chi Penh im Jahre 1372 fünf Buddha-Statuen am Ufer des Mekong, die durch eine große Flutwelle flussabwärts gespült wurden. Um den heiligen Figuren ein Zuhause zu schaffen, ließ sie einen 27 Meter hohen Hügel aufhäufen und einen Tempel aus den angeschwemmten Baumstämmen errichten. Phnom bedeutet auf Khmer „Hügel“, der so dann die Keimzelle für die Stadt bilden sollte: der Hügel der Penh.

In wenigen Minuten ist man von dort zurück ans Wasser marschiert, um am Sisowath Quay entlang zu schlendern. In der sengenden Mittagshitze flaniert der Tourist allein, in den frühen Abendstunden zählt dies vor allem auch zur Beschäftigung von Familien und Paaren. Für Mutige werden allerlei, teils nicht definierbare Snacks verkauft, ob tierischer oder pflanzlicher Herkunft blieb ungeklärt. Nett ist hier auch der Ausblick auf den breiten, braunen Tonle Sap Fluss, der sich auf Höhe des Königspalasts mit dem blauen Mekong vereint.

Phnom Penh hat viele Gesichter: Fährt man mit dem Tuktuk, die in Kambodscha übrigens optimal für europäische Körper- und Gepäckmaße ausgelegt sind, durchs Zentrum der Stadt, blitzen immer wieder Pagoden und Stupas zwischen den Wohnhäusern und hinter Mauern hervor. Man passiert grün gesäumte, aufgeräumte Plätze, in deren Mitte stolze Denkmäler thronen, im zentral gelegenen Hotelviertel säumen Bars und Restaurants die Straßen (die Stühle sind aber ausschließlich von Ausländern besetzt). Dazwischen: viel Müll, viel Armut, viel Verkehr (wenn auch in puncto Letzterem noch nicht annähernd das Ausmaß von Saigon erreicht ist).

Dass Kambodscha ein armes Land ist, ist in der Stadt wie auch bei den langen Fahrten über Land omnipräsent. Überall, wo ein Mensch in der Nähe ist, nimmt auch der Müll sichtbar zu. Auf unseren mehrere Hundert Kilometer langen Busfahrten quer durchs Land sehen wir aber vor allem bis zum Horizont reichende kahle Flächen. Massive Abholzung stellt eine der größten umweltseitigen Herausforderungen des Landes dar: Ende 1997 waren circa 35 Prozent der Staatsfläche hierfür freigegeben, was fast dem gesamten Waldgebiet außerhalb der Naturschutzgebiete entsprach. Wenn auch seit Ende der Neunziger Jahre auf dem Papier strengere Regeln für Konzessionen herrschen, sieht die Praxis anders aus. Die Ursache: illegale Abholzung und Korruption.

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„Korruption ist ein riesiges Problem in Kambodscha. Aufgrund der niedrigen Löhne, insbesondere im Staatsdienst, kann ein Lehrer oder auch Polizist kaum überleben, ohne bestechlich zu sein. Dieses Geld gehört quasi zum Einkommen. Ein Teufelskreis“, wurde uns schon am ersten Abend in Phnom Penh erzählt, den wir als kurzen Zwischenstopp vor unserer Reise gen Süden auf die Insel Koh Rong eingelegt hatten. Unser Gesprächspartner: ein lediglich mit einem Handtuch bekleideter Kambodschaner chinesischer Abstammung, der eiligst zur Übersetzung aus dem Bett geholt wurde, als wir in der Garküche gegenüber unseres etwas abseits gelegenen Hotels Essen bestellen wollten. Dank ihm konnten wir uns eine leckere, wenn auch für unseren Gaumen scharfe Nudelsuppe und kaltes Angkor-Bier schmecken lassen. Dazu gab es jede Menge Einblicke in die Gesellschaft und die Schwierigkeiten des heutigen Kambodscha. Ein interessanter Abend.

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