KAMBODSCHA_ KOH RONG. Partyparadies am Puderzuckerstrand

Schon beim ersten Schritt vom Bootssteg versinkt man knöcheltief in feinstem Sand. Es gibt keine Straßen, keine Autos, nicht einmal Roller. Die Insel Koh Rong im Süden Kambodschas, zu der einen die Fähre von Sihanouk Ville je nach Preis und Seetauglichkeit in 45 Minuten oder zwei Stunden bringt, bietet nichts als weißen Strand, Bars und Restaurants sowie Hostels und wenige Hotels unterschiedlicher Kategorien: Die Palette reicht von einfachsten Zimmern und Dorms ohne eigenes Bad bis hin zu netten kleinen Bungalows am Strand, wobei hier wohl übergreifend Strom untertags keine Selbstverständlichkeit und die Toilettenspülung in der Regel ein Eimer ist.

Dieses hübsche Fleckchen Erde ist gut frequentiert. Die Bars sind gefüllt, überall wird gegessen, getrunken, zu späterer Stunde auch getanzt, immer wieder liegt süßlicher Geruch in der Luft. Hier trifft der Abiturient auf den Studenten, darunter mischen sich Althippies und Aussteiger – ja, richtig, und wir. Auch wenn wir hier wohl zur dünner vertretenen Publikumsgruppe gehören, fühlen wir uns sehr wohl. Alles ist mehr als entspannt, nirgends wird ein Name notiert oder ein Pass vorgezeigt. So wird auch die Wäsche ungezählt ohne Quittung abgegeben, bezahlt wird einfach, wenn man sie zurückbekommt (wir hatten weder Schwund zu beklagen, noch ein Teil mehr erhalten).

Und das Konzept geht auf. Bei unserer Suche nach einer Unterkunft vor Ort hieß es häufig: „Sorry guys, we are full“. So wird fleißig aufgerüstet, alte, einfache Bungalows mit Palmenblattwänden durch massivere aus Holz ersetzt oder auch völlig neu gebaut. So hatten wir uns am Ende wohl die größte Baustelle als Schlafplatz ausgesucht, aufgrund der zentralen Lage wechselten sich so dann Baulärm mit Partyklängen ab. Wenn man auch angesichts Traumwetter und Traumstrand kaum Zeit im Zimmer verbringt, empfiehlt es sich wohl, in der Hauptsaison vorab zu reservieren.

Wer allerdings keine Ansprüche stellt, wird immer auch spontan ein Dach über dem Kopf bekommen – und ebenso einen Job. Die Insel bietet ein interessantes Arbeitskonzept: Für Kost und Logis (im Dorm) arbeiten hier fast ausschließlich (!) Ausländer im Service, helfen aber auch beim Streichen, Bauen und Basteln. Einfach um die Reisezeit noch zu verlängern oder sich womöglich ein Leben auf der Insel zu finanzieren.

Während man nachts bei kühlem Bier die Füße in unglaublich feinen Sand vergräbt, bietet der Tag für viele Geschmäcker Programm: ob es der Angel- oder Schnorcheltrip ist, eine geführte Wanderung über die Insel (alleine soll man sich wohl nicht in den Urwald wagen) oder einfach nur faules Nichtstun am schönen Strand (worauf wir uns konzentriert haben). Dieser ist sauber und alles andere als überlaufen (viele brauchen wohl noch den Tag, um sich von den Strapazen des Abends zu erholen). Ein wirklich wunderbarer Ort, um die Seele baumeln zu lassen!

Und es geht auch ruhiger: Koh Rong bietet ferner Unterkünfte an zwei weiteren, wohl nicht minder schönen Stränden, zu denen man mit dem Wassertaxi reist. Wer beim Robinson Crusoe-Feeling noch eine Schippe drauf legen will, wählt die kleine Schwesterninsel Koh Rong Samloem, wo es noch entschieden ursprünglicher zugehen soll.

Noch ist immer auch das Stichwort, wenn man von Paradiesen wie diesen beiden Inseln im Golf von Thailand spricht. Der Tourismus erweist sich gleichermaßen als Fluch und Segen. Mit ihm kommen Geld und Arbeitsplätze, aber auch Unmengen an Müll. Der Energie-, Wasser- und Rohstoffbedarf steigt immens – alles, was bei Inseln mit noch größerem Aufwand verbunden ist und nicht einmal annähernd der ganzen Bevölkerung im eigenen Land zu Teil wird… Hmm.