VIETNAM. Was freut, was frustriert. Ein kleiner Nachtrag

Was freut. Wer nur eine Woche durch ein Land reist, kann natürlich lediglich von einem Bauchgefühl oder ersten Eindrücken erzählen. Aber wir wurden schlicht positiv überrascht bzw. eines Besseren belehrt. Von diversen Seiten und in zahlreichen Blogartikeln wurde uns im Vorfeld von aufdringlichen, unfreundlichen und geldgierigen Vietnamesen, die einen bei jeder Gelegenheit übers Ohr hauen wollen, berichtet. Wir durften in unserem kurzen Aufenthalt das Gegenteil erleben: Es wurde viel und freundlich gelächelt (ja, es hilft, wenn man mit einem Lächeln startet), jede Rechnung war korrekt, Fragen wurden, wenn bzw. soweit es eine gemeinsame Sprache zuließ, bereitwillig beantwortet (in Hostels, bei Busunternehmen etc. spricht sowieso jeder Englisch), und viel mehr als ein bestimmtes Nein war auch nie von Nöten, ein Produkt oder eine Dienstleistung abzulehnen.

Neben unserem tollen Mekong-Ausflug mit Ngân war auch unser Treffen mit dem selbsternannten Can Tho English Club ausgesprochen nett. Dieser setzt sich aus drei jungen Vietnamesen zusammen, die jeden Abend (!) an der Ho Chi Minh-Statue („Uncle Ho“) an der Uferpromenade in Can Tho Ausländer ansprechen, ob sie nicht ein wenig Zeit hätten, sich mit ihnen auf Englisch zu unterhalten. Nach weniger als einer Minute hatten sie uns: Sie würden die englische Sprache lieben (ja, es war von „love“ die Rede), deswegen hätten sie den Club gegründet, der aber offen für jedermann sei, dem es genauso ginge, und sie wüssten, dass sie noch ganz viel zu lernen hätten und üben müssten. Viele Fragen hätten sie natürlich auch. So hatten wir ein Date für den folgenden Abend, eine Foto- und Selfie-Orgie gab es zweimal inklusive.

Was frustriert. Definitiv frustrierend ist der viele Verpackungsmüll, der zum einen übermäßig produziert, zum anderen unachtsam in die Natur oder an den Straßenrand geworfen wird. Während Saigon noch vergleichsweise sauber ist (unter anderem wird der Müll in den kleineren Straßen täglich zu Fuß abgeholt), sieht man bei der Fahrt über Land von Plastikmüll übersäte Straßenränder. Auch im Mekong-Delta treibt allerlei Unrat im Wasser und liegt an den Böschungen herum.

Dass Plastik ein Fluch ist, ist nicht neu. Aber hier wird es halt zum einen in Massen verbraucht – viel Essen wird auf der Straße aus Styropor und Plastik konsumiert oder man erhält beispielsweise, wenn man nicht schnell genug protestiert, eine kleine Wasserflasche, natürlich aus Plastik (was quasi alternativlos ist), samt unnötigen Strohhalm in einer Tüte verpackt -, zum anderen gibt es auf dem Land offenbar kein wirkliches Entsorgungssystem. Immer wieder sieht man auch kleinere Müllberge am Straßenrand brennen…