Sehr empfehlenswert ist ein Ausflug von Saigon ins circa 70 Kilometer entfernte Củ Chi. Hier kann ein kleiner Teil des Tunnelsystems besichtigt werden, in dem sich die vietnamesischen Partisanen im Vietnamkrieg versteckt hielten und von dort aus Krieg führten.
Wir haben die Anreise mit öffentlichen Bussen bestritten. Definitiv zu empfehlen, man sollte es sich allerdings etwas leichter machen und gleich am richtigen Busstopp starten. Wir versuchten unser Glück zunächst am falschen Busterminal, dann an der falschen Haltestelle. Erst nach der freundlichen Hilfestellung einer älteren Vietnamesin, die wohl unseren entgeisterten Blicke sah, als uns der Bus, der ja nun endlich gefunden war, nicht mitnehmen wollte, fanden wir den richtigen Ausgangspunkt für unseren Ausflug. Wer Gleiches vorhat, fährt mit dem Bus #13 von dem im Park gelegenen Busterminal Phuong Trang genau auf Höhe des Backpacker-Viertels circa 1,5 Stunden nach Củ Chi bis zur Endstation, dann eine knappe Stunde weiter mit dem Bus #79. Hier einfach dem Kassierer sein Ziel nennen und man wird am richtigen Halt rausgeworfen (Gesamtpreis: 14.000 Đồng / ca. 60 Cent).
Wir folgten dem Tipp, uns nicht an der von Gruppenausflügen stark frequentierten Stelle Ben Dinh, sondern in Ben Duoc absetzen zu lassen. Das war offenbar ein wirklicher Geheimtipp, da wir überraschenderweise überhaupt niemanden bzw. nichts vorfanden: keine Guides, keine Souvenirverkäufer, keine Schilder. So entschieden wir uns auch bei der ersten Weggabelung erst einmal falsch, um dann etwa zwei Kilometer idyllisch am Fluss entlang zu wandern. Etwas zum Leidwesen einer Kanadierin und eines Engländers, die sich in der Hoffnung, wir hätten einen Plan, an unsere Fersen geheftet hatten. Nach mehreren Frageversuchen und trotz widersprüchlicher Antworten erreichten wir das Museumsgelände am Ende von der anderen Seite. Wer anfangs einfach links statt rechts abbiegt, ist nach fünf Minuten am Ziel. Aber warum einfach…
Die zeitintensivere Anreise hatte sich gelohnt: Nach einem etwas einseitigen Infofilm stand uns ein unterhaltsamer Guide zur Seite, der im Eintrittspreis von nicht einmal vier Euro inkludiert ist. Er erzählte uns in gutem Englisch allerlei Wissenswertes über das ausgeklügelte Tunnelsystem der Vietcong: Die ersten Tunnel sind in den 1940er Jahren entstanden und wurden bereits im Krieg gegen die Franzosen genutzt. In den Sechzigern wurde das Netz immer weiter auf eine unglaubliche Länge von 250 km und aufgrund der amerikanischen Bombardierungen immer tiefer (bis zu 12 m) auf drei Ebenen ausgebaut. So entstand unter der Erde eine komplexe Versorgungsinfrastruktur aus Lazaretten, Büros, Küchen und Schlafgelegenheiten. Alle unterirdischen Räume waren mit Tunneln von maximal 80 cm Höhe und 60 cm Breite verbunden. Während sich diejenige von uns, die mit Blick auf die Körpergröße noch etwas mehr vietnamesischem Maß entspricht, darauf beschränkte, durch die für Touristen verbreiteten Gänge (1,20 m Höhe und 0,80 m Breite) zu laufen, zwängte sich Steffen durch die originale Öffnung (0,35 m x 0,25 m) sowie ein paar Meter ursprünglichen Tunnel.
Wie geschmacklos mit der Geschichte – von Vietnamesen und Besuchern – umgegangen werden kann, zeigt das sehr fragwürdige Vergnügen, nach der Besichtigung der Tunnelanlagen auf einer Shooting Range mit alten Maschinengewehren rumzuballern. Wir haben den größtmöglichen Bogen darum gemacht…
Insgesamt ein sehr lohnenswerter Ausflug!