Sumatra-Etappe 3. In einer zwölfstündigen Fahrt mit dem Nachtbus ging es für uns noch am selben Tag nach Banda Aceh, inklusive Techno-Musik und -Beleuchtung, Raucherkabine und abendlichen Gebetsstopps an einer Moschee für die männlichen Mitreisenden. Von dort nahmen wir das Schnellboot nach Pulau Weh (von Einheimischen nach der Hauptstadt der Insel auch Sabang genannt), dem nächsten Ziel unserer Reise. Die 156 Quadratkilometer große und bis zu 617 Metern hohe Vulkaninsel in der Andamanensee bietet ein touristisch noch nicht allzu berührtes Reiseparadies mit wenigen kleinen Hotels und Hostels, dichtem Tropenwald und weißen Sandstränden umgeben von türkisfarbenen Meer.
Unser Wahl für unsere drei Nächte auf der Insel fiel auf das von einer Indonesierin und ihrem Schweizer Mann geführte Casanemo, eines der Top-Unterkünfte auf der Insel. Für 25 Euro pro Nacht bekommt man einen auf Stelzen thronenden Bungalow am Hang mit fantastischem Blick aufs Meer, einfacher, aber völlig ausreichender Ausstattung. Highlights sind neben der Aussicht, das Außenbad (das nicht alle Bungalows haben) und die bequeme Hängematte auf der Terrasse. Reiseführer sprechen darüber hinaus von der besten Badestelle der Insel, was wir – soweit wir das sagen können – bestätigen können, wenn auch der Strand von Korallenscherben und leider auch etwas Müll übersät ist.
150 Meter nördlich davon befindet sich das Freddie’s, eine größere nette Bungalowanlage, wo wir einen Abend gar fürstlich gespeist haben. Mit dem Ziel, unsere verbleibenden Rupien loszuwerden, bestellten wir sehr großzügig frischen Grouper, Tintenfischringe und Garnelen vom Grill sowie Salat – um am Ende vom Hausherren eingeladen zu werden, da wir seiner Meinung nach viel zu lange auf unser Essen warten mussten. Wir genossen viel mehr bei kühlem Bier und kulinarischen Grüßen aus der Küche – einer Art Shrimp-Küchlein sowie getrocknetem Fisch in Chili-Paprika-Sauce – die Hitze der Nacht. Trotz vehementen Protests durften wir lediglich unsere Bier bezahlen. Auch der Wunsch, stattdessen ein ordentliches Trinkgeld zu geben, wurde uns vom Kellner verwehrt: „Freddie said so and I have to do what Freddie said“.
Programmtechnisch bietet sich neben faulen Strandtagen Rollertouren und Schnorchelausflüge an. Bei unserer ersten Tour zur beliebten Schnorchelstelle Arus Saleh in Iboih blieb unser Vorhaben, die Unterwasserwelt zu erkunden, allerdings unverrichtet. Es war, wie uns erklärt wurde, der letzte der drei Tage, an denen das Meer angebetet wird. An diesen darf es weder betreten noch befahren werden. So genossen wir lediglich die Aussicht auf die menschenleere Bucht, um darauf mit dem Roller auf guten Straßen (alles musste nach dem Tsunami 2004 neu gebaut werden) die Insel zu erkunden und unter anderem dem Kilometer 0 des indonesischen Straßennetzes am Nordwesten der Insel einen Besuch abzustatten (das eigentliche Westende liegt allerdings auf der Insel Pulau Rondo).
Der zweite Anlauf in Iboih am nächsten Tag wurde mit einer sehr fischreichen Unterwasserwelt belohnt, wenn auch leider umgegeben von zerstörten Korallen. Dass die chinesische Reisegruppe Boote benutzt hatte, um zur vorgelagerten Insel Palau Rubiah zu kommen, war, wie wir heute gelesen haben, keineswegs nur ihren schlechten Schwimmfähigkeiten geschuldet (alle gingen mit dicken Schwimmwesten ins Wasser): Die wirklich starke Strömung hinaus aufs Meer, durch die wir uns nur dank Flossen noch einigermaßen erfolgreich gekämpft hatten, wird als Witwenströmung bezeichnet.
Unser Inselaufenthalt wurde durch einen ganz besonderen Abend abgerundet: Nach einem unterhaltsamen, aber schlecht besuchten Konzert einer einheimischen Band im Casanemo kamen wir in die Verlegenheit, als einzige Gäste der Abschiedsfeier der Inhaberin und ihres Mannes beizuwohnen, die am nächsten Tag für einige Monate zur Geburt ihres Kindes in die Schweiz gehen sollten. Dazu kam die Wahl von F.J., dem schwulen Angestellten, zum Ambassador der Insel (wir tippen aufgrund seiner Erzählungen auf eine Schönheitswahl mit Weltverbesserungsbeschwörungen), die natürlich auch noch gefeiert wurde. Bei Gesang (nicht von uns!), Tanz (nach vehementer Aufforderung von allen Seiten) und allerlei seltsamer Snacks (von Snake Fruits bis hin zu einer Art Kuchen, bei dem süßer Reis zusammen mit gebratenem Thunfisch in Bananenblätter gewickelt wird) wurden wir von der Herzlichkeit unserer Gastgeber ganz überwältigt.
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