SUMATRA_ SAMOSIR. Rollertour durch faszinierendes Grün

Sumatra-Etappe 1. Trotz eines für den Breitengrad üblichen rasanten Fahrstils brauchten wir für die 77 Kilometer von Medan nach Parapat am Tobasee mit dem Bus mehr als drei Stunden. Der Tobasee ist mit 87 Kilometer Länge und 27 Kilometer Breite der größte See Südostasiens und mehr als dreimal so groß wie der Bodensee. In seiner Mitte thront die Vulkaninsel Samosir, mit der sich die Liste der Superlative fortsetzt: Sie ist die größte Insel in einem Inselsee und hat selbst zwei kleine Seen. Und dazu wunderschön. Mit der Fähre fuhren wir vor einer imposanten Wolkenwand im leichten Sprühregen der Sonne entgegen in Richtung Tuktuk, das auf einer Minihalbinsel von Samosir liegt und seit den 70er Jahren ein beliebter Anlaufpunkt für Backpacker ist. Dahinter ragten die Hügel der Insel in satten Grüntönen in den Himmel. Was eine schöne Kulisse zum Ankommen!

Vieles in dem Örtchen Tuktuk, das sich entlang einer kleinen Straße erhöht über dem Meer um die Halbinsel zieht, ist etwas in die Jahre gekommen. Einige Restaurants und Unterkünfte hatten geschlossen und wurden dem schleichenden Verfall überlassen. Doch finden sich dazwischen zahlreiche, teils etwas versteckte Schätze, darunter das Bamboo Restaurant, das neben einem fantastischen Curry auch gute Burger im Angebot hat, Roy’s Club mit Livemusik, wo sich nächtlich Reisende, Aussteiger und Einheimische bei kühlem Bier auf der Tanzfläche mischen, und die Tabo Cottages, wo man in hübschen, gut ausgestatteten Bungalows, die im Stil der Batak-Häuser gebaut sind, mit Blick auf Meer und Pool auf keine Annehmlichkeiten verzichten muss.

Der nächste Morgen begrüßte uns mit tief zwischen den Hügeln der Insel hängenden Wolken und mystisch wabernden Dunstschwaden. Also kein Badetag, sondern Zeit für eine Inselerkundung oder besser gesagt -umrundung. Ausgestattet mit einem Roller und einer sehr aufs Wesentliche reduzierten Karte, die lediglich eine Straße entlang der Küste zeigte, fuhren wir gen Norden los, vorbei an Reisfeldern, weidenden Ochsen und jeder Menge Zeugnissen der Batak-Kultur. Das Volk der Batak wird in sechs Volksgruppen gegliedert, deren ursprüngliches Siedlungsgebiet eben auf Samosir liegt. Ihre größte Gruppe sind die Toba, die um die südliche Hälfte des Tobasees und auf der Vulkaninsel siedeln.

Mit Blick auf die Karte war eine Umrundung der Insel an sich alternativlos. Doch wir fanden eine Abzweigung: „Die Straße führt sicherlich gleich zurück an den See“. Drei Stunden später war das auch der Fall, nämlich exakt an der Stelle, an der wir falsch abgebogen waren. Dazwischen: entlegene Dörfer, unzählige winkende Kinder und neugierige Augen, endende Wege (die asphaltierte Straße hatten wir eh schon lange verlassen), endloses Grün, absolute Einsamkeit und Stille sowie ein harmloser Sturz, der blaue Hosen in matschbraune verwandelt. Ein fast zahnloser Inselbewohner, der zweimal wie aus dem Nichts in einem viel zu großen Sakko vor uns stand (ja, wir fuhren wohl im Kreis), versuchte sein Möglichstes, uns den Weg zu weisen.

Unser Roller steigerte das Abenteuererlebnis noch ein wenig: Er versagte uns an steileren Hängen schlicht den Dienst, ging bei voller Fahrt aus und ließ sich nur bergabwärts rollend wieder in Gang bringen. Seine Leistungsfähigkeit hing auch stark von der Tankfüllung ab, die einem aus Plastikflaschen an aus Holz provisorisch gezimmerten Ständen an der Straße verkauft wird. Welcher Gelb- oder Braunton des fragwürdigen öligen Gemischs der Beste war, wussten wir auch nach Tankfüllung Nummer 3 – man kauft Sprit quasi flaschenweise für einen Apfel und ein Ei – noch nicht.

Ein weiteres Mal für Belustigung der Einheimischen sorgten wir an diesem Tag, als wir unseren völlig verdreckten Roller samt uns an einer Autowerkstatt von drei sichtlich amüsierten Jungs mit Hochdruckreinigern säubern ließen. Ein großartiger Ausflug, der neben unzähligen tollen Eindrücken auch von ordentlich Schmerzen im Hintern quittiert wurde – mehr als 150 Kilometer über Stock und Stein hinterlassen ihre Spuren.

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