SUMATRA_ BUKIT LAWANG. Dschungeltour mit Waldmenschen

Sumatra-Etappe 2. Zu unserem zweiten Programmpunkt auf Sumatra, einer Dschungeltour im Gunung Leuser-Nationalpark, brauchte uns ein kleiner Taxibus, den man unkompliziert in Parapat am Tobasee buchen kann. So reisten wir bequem für kleines Geld mit einem Franzosen und seiner indonesischen Freundin bei weihnachtlichen Operettenklängen sechs Stunden durch indonesisches Hinterland. Ja, die musikalische Umrahmung blieb auf Wunsch der Dame die komplette Fahrtzeit unverändert.

Guter Ausgangspunkt für Urwaldexkursionen ist Bukit Lawang, ein Ort, in dem sich zahllose Hostels umgeben von üppiger Natur entlang des Flusses Bohorok aneinanderreihen, die einem nach Ankunft auch von allen Seiten angepriesen werden. Wir hatten uns im Vorfeld das Junia Guesthouse auf der linken Flussseite (flussaufwärts blickend) im ruhigen Teil des Örtchens ausgekuckt und damit eine gute Wahl getroffen. Das letzte freie Zimmer in der günstigsten Kategorie (nicht einmal 8 Euro/Nacht) bot ein bequemes Bett, ein intaktes Moskitonetz und eine Zimmerkatze, die nur mit viel Mühe davon zu überzeugen war, dass wir lieber zu zweit schlafen. Wer klassische Toilettenspülungen Eimer und Schöpfkelle vorzieht, sollte allerdings ein etwas teureres Zimmer wählen (und das ggf. vorher buchen).

Jedes Restaurant, jede Unterkunft vermittelt Touren in den Gunung Leuser-Nationalpark, benannt nach dem gleichnamigen 3381 Meter hohen Vulkan. Wichtig ist dabei, nur zertifizierte Guides zu buchen, die speziell dafür ausgebildet sind, dementsprechend viel Wissen über Fauna und Flora mitbringen und sich im besten Fall an die strengen Regeln gegenüber Tier und Natur halten. Wir entschieden uns für eine Zweitagestour und hatten mit unseren Guides – Lies (34), der bereits seit 15 Jahren Abenteuerlustige durch den Dschungel führt, und Danii (16), ein ambitionierter Anwärter auf den Job – großes Glück: Sie sprachen gutes Englisch, erzählten viel, beantworteten alle Fragen unermüdlich, sorgten für nette Abendunterhaltung am Lagerfeuer und verpflegten uns mit sehr leckerem Essen (wirklich faszinierend, was hier unterwegs gezaubert wird bzw. für uns durch den Dschungel getragen wurde).

Vor allem achteten sie aber darauf, dass der unbedarfte Europäer den Gefahren, aber auch den unzähligen Schönheiten des Tropenwalds Beachtung schenkt. Und was für Schönheiten! Tiefster Dschungel mit bis zu 60 Meter hohen Bäumen, riesigen Bambusbüschen, Farnen und Lianen. Zum Vergleich: In Deutschland gibt es in natürlichen Wäldern circa vier bis fünf verschiedene Baumarten auf einem Hektar, in Tropenwäldern dagegen bis zu 300. Und dazwischen neben ein paar Malaken, einem Waran, Riesenameisen und Schmetterlingsschwärmen – das eigentliche Ziel und absolute Highlight der Tour – Orang-Utans. Für’s Quizduell/Wer-wird-Millionär-Wissen: Die Bezeichnung Orang-Utan stammt von den malaiischen Wörtern orang (Mensch) und utan oder hutan (Wald).

Nach nicht einmal einer Stunde begegneten wir schon einem ersten, riesigen Exemplar: ein mächtiges Männchen mit knapp zwei Meter Größe. Es folgten neben einem Muttertier mit ihrem Baby, die zusammen in fünf bis zehn Metern über unseren Köpfen turnten, noch vier weitere Orang-Utans in unmittelbarer Nähe. Zu guter Letzt beehrte uns Jacky, ein aus einer Aufzuchtstation wohl bekanntes Weibchen, am Nachmittag im Camp, wo wir uns nach der wirklich schweißtreibenden Wanderung, am Ende etwas angetrieben durch ein nahendes Gewitter, im Fluss abkühlten. Mit unfassbar menschlichen Gesten benutzte es dort herumliegendes Plastikgeschirr sowie ein zum Trocknen ausgelegtes Handtuch und gab sich wirklich alle Mühe, uns bis zum Abendessen zu entertainen. Die Affen dürfen grundsätzlich nicht gefüttert werden, eine Essensabgabe erfolgt nur dann sehr bereitwillig, wenn man unfreundlicheren Vertretern ihrer Art begegnet. Die Guides vermitteln einem zumindest sehr glaubhaft den Eindruck, dass sie ganz genau wissen, welches Tier sie gerade vor sich haben.

Am nächsten Morgen ging es nach einem leckeren Frühstück ein paar hundert Meter flussaufwärts zu einem hübschen, kleinen Wasserfall. Man beachte beim sich anschließenden Treiben lassen im Fluss, dass (Ehe)Ringe im kühlen Wasser (kühl lediglich im Verhältnis zur Außentemperatur!) verloren gehen können.

Zurück nach Bukit Lawang nimmt man den direkten Weg: Auf jeweils drei bis vier zusammengebundenen Tubing-Reifen bugsieren einen die Guides den teils sehr bewegten Fluss in einer gut 30-minütigen Fahrt sicher vor die Haustür des Hostels. Tipp: Sonnenmilch hilft gegen die Äquatorsonne (wenn man sie denn benutzt).

Mehr davon? Mit bis zu Siebentagestouren ist das durchaus möglich. Doch reicht vermutlich vielen matratzenverwöhnten Körpern eine Nacht auf einer dünnen Isomatte in einer lediglich mit einer Plastikplane überspannten Zeltstätte. Auch das kontinuierliche Bergauf und Bergab bei 90 Prozent Luftfeuchtigkeit erfordert eine gewisse Fitness. Für uns war die Zweitagestour in jedem Fall perfekt, die wir in dieser Form mehr als empfehlen können: abwechslungsreich, spannend, lehrreich!

Apropos lehrreich: Der Gunung Leuser-Nationalpark, indonesisch Taman Nasional Gunung Leuser, ist mit rund 9.000 Quadratkilometern Fläche eines der größten Naturreservate Indonesiens. Zusammen mit zwei weiteren Nationalparks bildet er das Naturdenkmal der tropischen Regenwälder von Sumatra, welches seit 2004 zum UNESCO-Welterbe zählt. Auf Sumatra kommen wildlebende Orang-Utans nur noch in den Wäldern der beiden nördlichen Provinzen Aceh und Nordsumatra vor, viele davon im Nationalpark Gunung Leuser. Die zu der Familie der Menschenaffen gehörenden Primatengattung steht seit mehr als 60 Jahren unter Schutz, ist in ihrem Fortbestand aber nach wie vor stark bedroht. Die Hauptursache stellt die Zerstörung ihres Lebensraums dar, was auf Sumatra vor allem den Brandrodungen und Abholzungen für immer neue Palmölplantagen geschuldet ist.

Palmöl steckt laut Greenpeace in jedem zweiten Produkt, das in deutschen Supermärkten zu kaufen ist, darunter Kosmetik, Reinigungsmittel, Schokolade. Einen kleinen Beitrag leistet man mit dem Verzicht bzw. dem sparsamen Konsum derartiger Produkte, aber auch – da es natürlich auch eine der wichtigen Haupteinnahmequellen der produzierenden Länder darstellt – mit dem Umstieg auf Produkte, die nachhaltig produziertes Palmöl enthalten. Allerdings ist Zweiteres stark umstritten.

Neben dem Schutz, den die Nationalparks bieten, versucht das „Orang Utan Rehabilitation Center“ in Bukit Lawang, einem Beitrag zur Arterhaltung zu leisten. Dort werden seit 1973 in Kooperation mit dem Frankfurter Zoo aus der Gefangenschaft befreite Tiere ausgewildert.

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