Colombo-Airport, 6 Uhr morgens, 30 Grad. Sri Lankas Hauptstadt empfängt uns mit feuchtwarmer, schweißtreibender Hitze und einem Stadtbild, das weder hässlich noch schön ist, weder besonders geschichtsträchtig wirkt (trotzdessen die Stadt auf eine mehr als 1000-jährige Historie zurückblicken kann) noch besonders modern (auch wenn einige neue, funkelnde Hochhäuser in den Himmel ragen), weder unfreundlich noch einladend. Mit etwas mehr Zeit hätte die Metropole sicherlich mehr Profil gewonnen. Unser eintägiger Aufenthalt beschränkte sich auf einen ausgiebigen Spaziergang entlang der Uferpromenade Galle Face Green, vorbei am Galle Face Hotel (Empfehlung: 5 o’clock tea), der rot-weiß gestreiften Jamir-ul-Alfar-Moschee und dem besuchenwerten buddistischen Gangaramay-Tempel – sowie den Erkenntnissen, vermeintlichen Polizisten und ihren Programmtipps nicht allzu viel Beachtung zu schenken und mit Tuktuk-Fahrern immer vorab (!) den Preis zu vereinbaren.
Sri Lanka-Etappe 1. So starten wir auch schon am nächsten Morgen mit dem Bus nach Dambulla, ein guter Ausgangsort für Erkundungen des Kulturdreiecks. Für die 160 Kilometer durch tropischen Wald, vorbei an kleinen Dörfern und weiten Feldern benötigen wir schlappe sechs Stunden. In der letzten Sitzreihe können wir dabei die Fliehkräfte, die dem heimischen Fahrstil, den kurvigen Straßen und dem nicht minder rasant fahrenden Gegenverkehr geschuldet sind, noch etwas mehr genießen, kontinuierlich berieselt von der immer gleichen CD mit softem Asia-Pop. Busfahren in Asien ist einfach immer ein Erlebnis.
Das Kulturdreieck Sri Lankas spannt sich zwischen den einstigen Hauptstädte der Singhalesen, Anuradhapura, Polonnaruwa und das im nördlichen Teil des Berglands gelegene Kandy. Mit Sigirya und Damubulla, die sich in der geographischen Mitte des Dreiecks befinden, können in dieser Region fünf der sechs kulturhistorischen Stätten des Weltkulturerbes, mit denen es Sri Lanka in die UNESCO-Liste geschafft hat, besichtigt werden.
Anuradhapura & Polonnaruwa. In ersterer der beiden Königsstädte ist neben großen Dagobas die Pappelfeige Jaya Sri Maha Bodhi Anziehungspunkt für Besucher und vor allem Gläubige. Dieser Baum ist der Überlieferung nach aus einem Zweig jenes Baumes in Indien gewachsen, unter dem Siddhartha Gautama, der Buddha, die Erleuchtung erlangt haben soll. Im schönen Polonnaruwa kann man neben Dagobas, Stupas und Überresten von zahlreichen Tempeln, die verstreut im Wald liegen, die riesigen Buddha-Statuen von Gal Vihara besichtigen. Für beide Ziele gilt: Früh aufstehen! Alle heiligen Orte dürfen nur barfuß betreten werden, was ab spätem Vormittag für zartbesaitete europäische Füße grenzwertig heiß wird.
Sigiriya. Wenn auch stark frequentiert ein ganz wundervoller Ort. Um den Löwenfelsen, wie der Name sagt, zu besteigen, müssen etwa 200 Höhenmeter in Kauf genommen werden. Aber jeder Schritt wird belohnt. Die Wanderung auf den exponiert in grüner Weite thronenden Monolith, auf dem sich die Ruinen einer historischen Felsenfestung befindet, bietet atemberaubende Ausblicke in alle Richtungen und auf etwa halber Höhe unter einem Felsüberhang einzigartige Fresken von zumeist barbusigen Frauen, den sogenannten Wolkenmädchen.
Dambulla. Auf Empfehlung unseres Tuktuk-Fahrers besuchen wir auch die Felsentempel von Dambulla, zu denen sich der Aufstieg – im Spalier neugieriger Affen – ebenfalls sehr lohnt: Die späte Nachmittagssonne taucht das Gelände, die umliegende weite Landschaft und die Eingänge der Höhlentempel, die zahlreiche Buddha-Statuen und Wandmalereien schmücken, in ein wunderschön goldenes Licht. Ein Ort, wo man gerne noch etwas verweilt.
Kandy. Begleitet von einem Mitarbeiter unsere Hotels (das einzige, das wir von Deutschland aus gebucht hatten, womit wir die schlechteste Unterkunft auch noch teuer in mehrfacher Hinsicht bezahlt hatten) verläuft unsere Reise ins rund 85 Kilometer entfernte Kandy höchst dynamisch: Das Tuktuk stoppt kaum, als wir in Dambulla den bereits anfahrenden Bus erreichen, der auch nicht anhält, als wir im dichten Gedränge am Bahnhof in Kandy aussteigen wollen. Dank vieler helfender Hände schaffen wir es aber samt unserer lächerlich schweren Rolltaschen (Learning: immer mit Rucksack reisen) in alle Gefährte und auch wieder raus.
In der Heiligen Stadt, die als beliebte Touristen- und Pilgerhochburg einige Restaurants und Bars (auch westlichen Zuschnitts) bietet, ist der sogenannte Zahntempel, der den oberen linken Eckzahn des Buddha beherbergen soll, der zentrale Besuchermagnet. So wohnen auch wir der etwa einstündigen Zeremonie bei, in der diese Reliquie mit Trommelwirbel und Tanz geehrt wird. Daneben ist in Kandy der botanische Garten einen Besuch wert, in dem die abwechslungsreiche Vegetation der Insel durchwandert werden kann.
Sri Lanka-Etappe 2. Mit dem Zug treten wir am nächsten Tag die Reise nach Nuwara Eliya an, ein Städtchen, das im 19. Jahrhundert als Erholungsort für die britischen Kolonialbeamten gegründet wurde, wovon noch zahlreiche Gebäude zeugen. Die Zugfahrt dorthin ist in jedem Fall ein echtes Highlight einer Sri Lanka-Reise: Bei offenen Türen und Fenstern schlängelt sich die dampfende blaue Bahn auf ihrem Weg durch die ganze Bandbreite der Natur hinauf ins Hochland, inklusive Schluchten, Wäldern und Wasserfällen sowie endlosen Teefeldern. Neben dieser Strecke zählt der Abschnitt von Colombo nach Kandy zu den schönsten des Landes – Zugfahren auf Sri Lanka ist gewissermaßen ein Muss, aber ein wunderschönes.
Am nächsten Tag ist frühes Aufstehen angesagt. Unser netter Tuktuk-Fahrer Krishna, der mittlerweile Reisende mit einem Kleinbus durch sein Land kutschiert, wollte von den vorgeschlagenen 6 Uhr partout nicht abrücken. Und das aus gutem Grund: Nach einer circa einstündigen Fahrt, anfänglich begleitet von Regen, erreichen wir Lipton’s Seat gerade noch rechtzeitig, um eine Tasse Tee mit atemberaubenden Blick über die umliegende Landschaft zu genießen, bevor die wohl häufig aufziehenden Wolken einem die Sicht nehmen. Für das Hochland würden wir zwei Tage (und mehr) empfehlen, um mindestens noch eine weitere der tollen Wanderungen – hinauf zum Adam’s Peak oder im Horton-Plain-Nationalpark – machen zu können.
Die zweite Hälfte unserer Reise durch Sri Lanka führt uns entlang der Küste vom Yala-Nationalpark über die Badeorte Mirissa, Unawatuna und Hikkaduwa zurück nach Colombo, inklusive eines Besuchs der sehenswerten Stadt Galle im Südwesten der Insel.
